Von unseren Bibelkursteilnehmern erreichen uns viele Fragen über die Bibel. Wir versuchen die nach bestem Vermögen zu beantworten. Vielleicht ist auch Ihre Frage unter den hier aufgeführten Themen. Wenn nicht nutzen Sie die Gelegenheit, um Ihre Frage über die Bibel jetzt zu stellen.

Die Prophethie
Wenn das "Kleine Horn" aus Daniel Kapitel 8 nicht Antiochus Epiphanes ist, wer ist es dann?
War 538 n.Chr. ein besonderer Zeitpunkt nachdem das Papsttum Macht bekam?
Gehören die Langobarden zu den 10 Hörnern aus Daniel 7?
Warum gehört das Oströmische Reich nicht zu den 10 Hörnern?
Warum rechnet man in der biblischen Prophethie mit 360 Tagen pro Jahr und nicht mit 365? Birgt die Ungenauigkeit des jüdischen Kalenders nicht die Möglichkeit der Fehlinterpretation prophetischer Daten?
Was bedeutet der Ausdruck ”die 10 germanischen Stämme”?
Wer sind die "drei ausgerissenen Hörner"?
Ist die "tödliche Wunde" wirklich am Ende der 1260 Jahre anzusetzen, oder sollte man sie nicht lieber an den Anfang auf das Römische Reich beziehen? Ist der Anfang mit 538 n.Chr. wirklich korrekt gesetzt?
Welchem Zeitraum entsprechen 2300 Abende und Morgen?
Wann ist der Anfangspunkt (und demnach der Endpunkt) dieses Zeitraums zu setzen?
Was bedeutet „das Heiligtum wieder weihen“ oder „reinigen“?
Sonstige Fragen
Kennt die Bibel die These von einer "geheimen Entrückung" der Heiligen vor der Wiederkunft Christi? Werden Menschen in einem 1000jährigen Reich eine zweite Chance bekommen?
Wie können wir erlöst werden? Welche Rolle spielt der Glaube?
Welche Rolle spielt die Angst in unserer Errettung?
Warum ließ Gott die Sünde zu?
Wieso heißt Jesus "Immanuel"? In welcher Beziehung steht Er zum Vater?
Wer ist Jesus und wer ist der Vater?
War Jesus eine historische Persönlichkeit?
Was bedeutet: Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut?

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Wenn das "Kleine Horn" aus Daniel Kapitel 8 nicht Antiochus Epiphanes ist, wer ist es dann? nach oben

Lieber ..., wie versprochen jetzt eine ausführlichere Antwort zu Deiner Frage bezüglich Antiochus als das "kleine Horn".

In Daniel 8 beschreibt Daniel ein Vision, in der ein Widder seine Macht nach Westen, nach Norden und nach Süden hin ausdehnte. Vers 20 erklärt: "Der Widder mit den beiden Hörnern, den du gesehen hast, bedeutet die Könige von Medien und Persien." Diese Macht wurde in der Vision von einem Ziegenbock, der von Westen kam geschlagen. Diese Macht hatte ein ansehnliches Horn auf der Stirn. Von dieser Macht spricht Daniel 8,21: "Der Ziegenbock aber ist der König von Griechenland. Das große Horn zwischen seinen Augen ist der erste König."

Das Doppelreich Medo-Persien war zu seiner Zeit eine alles bestimmende Weltherrschaft. Sie war die Macht, die das große Babylon eroberte. Daniel 8 beschreibt Medo-Persien so: " Und kein Tier konnte vor ihm bestehen und vor seiner Gewalt errettet werden, sondern er tat, was er wollte, und wurde groß." (V.5) Beachte die Worte "es wurde groß". Von dem Ziegenbock der Griechenland
darstellt, sagt Daniel 8: "Und der Ziegenbock wurde sehr groß." Griechenland wurde nicht nur groß, es wurde "sehr groß". Tatsächlich war das Griechische Reich in bezug auf seine Ausdehnung und seinen nachhaltigen Einfluß wesentlich größer als das Medo-persische Reich. Auch heute begegnet uns das Griechische Reich in der Geschichte häufiger als Medo-Persien. Die vier Hörner, die aus dem
Griechischen Reich entstanden, sind offensichtlich die vier Diadochenreiche, die 301 nach der Entscheidungsschlacht von Ipsos entstanden: Mazedonien, Thrakien, das Seleukidenreich und Ägypten, denn Dan 8,22 sagt: "Daß aber vier an seiner Stelle wuchsen, nachdem es zerbrochen war, bedeutet, daß vier Königreiche aus seinem Volk entstehen werden, aber nicht so mächtig wie er (d.i. Alexander der Große)."

Vom "kleinen Horn" heißt es: "Und aus dem einen von ihnen kam ein einzelnes Horn hervor, <zunächst> klein, aber es wurde übermäßig groß..." Während das Babylonische Weltreich als "groß" bezeichnet wurde, war das Griechische Reich "sehr groß". Die Macht, die das "kleine Horn" darstellt sollte aber "übermäßig groß" werden (Elberfelder Übers., vgl. Grundtext). Antiochus Epiphanes oder
Antiochus der Große waren Könige der Seleukidendynastie. Antiochus IV Epiphanes bspw. war einer von 26 Königen, die in ihrer Gesamtheit eines der 4 Hörner darstellten. Er war und blieb kleiner als Griechenland. Von der Zeit an wo Seleukos sich zum Herrscher über den syrischen (seleukidischen) Teil des Reich des Alexanders einsetzte, bis zur Eroberung des Landes durch die Römer, herrschten 26 Könige nacheinander über dieses Gebiet. Der achte war Antiochos Epiphanes. Er war also nur einer der 26 Könige, die das syrische (seleukidische) Horn des Ziegenbockes ausmachten.

Sollte sich das Wegnehmen des "Täglichen" und die Verwüstung der Wohnung seines Heiligtums (Daniel 8,11) auf Antiochus Epiphanes beziehen, müßte die Dauer der Zerstörung 2300 Abende und Morgen betragen (gemäß Vers 14). Jerusalem war vom 15. Kislew im 145. Jahr (Dezember 168 v.Chr.) (s. Makkabäer 1,57) bis zum 25. Kislew im 148. Jahr (Dez. 165 v. Chr.) (s. Makk. 4,52) unter die Füße getreten worden. Das sind jedoch 1090 Tage und nicht 2300.

Davon abgesehen, daß die Rechnung auf Antiochus nicht hinhaut, wenn man die Zeitangabe in buchstäblichen Tagen rechnet, muß auf jede biblische Zeitprophezeiung das sogenannte Jahr-Tag-Prinzip angewendet werden. Das wird in der Erklärung der 2300 Abende und Morgen deutlich, die in Daniel Kapitel 9 gegeben wird. Daniel 8,27 verrät, daß Daniel selbst die Weissagung nicht begriff. Daher betete er um Erkenntnis (Dan 9,3). In Vers 20-23 erscheint ihm ein Engel, der ihm jetzt erklärende Information mitteilen möchte. Vers 24-27 beschreibt die berühmte Prophezeiung der 70 Jahrwochen. (Eine ausführliches Bibelstudium erfolgt im Rahmen unseres interaktiven Bibelkurses, s.
http://www.historische-adventisten.de/bibelkurs/0970jawo.htm ) Diese 70 Jahrwochen sind eine Weissagung auf den kommenden Messias und seinen Opfertod. Ohne an dieser Stelle genauer auf die Inhalte einzugehen, möchte ich sagen, daß diese Prophezeiung die Richtigkeit des Jahr-Tag-Prinzipes beweist, da hier genau das Jahr der Salbung (Taufe) Jesu und das Jahr Seines Opfertodes prophezeit wird. Auch die Anmerkung der Lutherübersetzung von 1984 sagt zu den 70 Wochen: "Gemeint sind Jahrwochen; jede umfaßt sieben Jahre". Wenn Du Dich unter der angegebenen Internetadresse mit den 70 Jahrwochen auseinandersetzt, wirst Du erkennen, daß die angegebenen Zeitprophezeiungen nur nach dem Jahr-Tag-Prinzip zu verstehen sind (Ein Tag = ein Jahr). Eine Deutung auf Epiphanes benötigt jedoch eine buchstäbliche Auslegung der 2300 Abende und Morgen als wirkliche Jahre. Konsequenterweise müßten dann jedoch die 70 Wochen auch buchstäbliche Jahre bedeuten. Das würde der angekündigte Messias aber ca. 450 Jahre vor Jesu Geburt auf der Bühne der Weltgeschichte erscheinen.

Ich hoffe, daß es jetzt nicht zu kompliziert geworden ist. Aber vielleicht kennst Du Dich ja schon mit den 70 Jahrwochen aus, dann war sicherlich alles ganz einfach.

Es bleibt die Frage, wer ist denn das "kleine Horn"?! Die zwingende Antwort ist, genau die Macht, die das Griechische Reich als Weltmacht abgelöst hat. Dieselbe Macht, die auch in Daniel 2 als die eiserne Macht beschrieben ist: Rom! Auch Daniel 7 beschreibt Rom als Nachfolgemacht des Griechischen Reiches. Hier ist erst das heidnische Rom dargestellt im vierten Tier, das in 10 Teilreiche
(Hörner) zerfallen sollte. Dessen Macht würde dem kleinen Horn (hier das päpstliche Rom) zufallen. Für diesen Punkt liefert die Bibel so viele Beweise, daß ich mich gar nicht traue, anzufangen sie aufzuzählen. Wahrscheinlich hast Du auch genug nachzufragen, nachdem, was ich Dir jetzt geschrieben habe. Die "Kommende Krise" spricht ebenfalls über das "kleine Horn" aus Daniel 7 (d.i. das päpstliche Rom). Vielleicht hast Du ja schon angefangen zu lesen.

Ich hoffe, ich konnte Dir mit meiner Ausführung etwas Hilfestellung geben. Schreib mir einfach wieder, wenn Du meinst, ich kann Dir etwas helfen.

Also, mach`s gut. Gottes Segen beim Bibelstudium wünscht Dir ...

 

War 538 n.Chr. ein besonderer Zeitpunkt nachdem das Papsttum Macht bekam? Leider nicht. Der Papst Vigilius wurde von Justinian gezwungen die "Drei Kapitel" (543 n.Chr.) zu verurteilen. Auch wenn Justinian das Papsttum z.B. durch das Dekret von 533 n.Chr. "unterstützt" hat, so war es sein Ziel, durch massive Steuerung der Kirchenpolitik und Eingriffe in die theologischen Problematik der damaligen Zeit, eine Reichseinheit herzustellen. "Die Zeiten päpstlicher Eigenständigkeit, die um 500 unter der Herrschaft Theoderichs erreicht waren, schien im Rahmen der byzantinischen Reichskirche unter Justinian dahin zu sein." [1]. "Während nach Leo I. der dogmatische Primatsanspruch weiter ausgebaut wurde, geriet in faktischer Hinsicht das Papstum aufgrund seiner Abhängigkeit von Konstatinopel und den Goten in eine lange Krise. Zwar konnte es innerhalb Italiens - nach dem Fortfall der römischen Herrschaft 476 und in der Zeit des Ostgotenreiches 493-553 seine Machtposition ausbauen und diese zeitweise gegenüber Ostrom behaupten. Aber in Gallien, Spanien und Nordafrika ging sein Einfluß fast ganz zurück, und unter Justinian begann 535 eine neue Phase kaiserlicher Herrschaft im Wesreb, in der Rom lediglich als eines der Patriarchate galt, eingegliedert in die Reichskirche. Die politische Abhängigkeit lockerte sich erst nach 568 etwas, als die Langobarden Teile Italiens besetzten, doch mit dem verfassungsrechtlichen Bezug zum byzantinischen Reich blieb während des 7. Jh.s die Verwicklung in dessen dogmatisch-kirchenpolitische Konflikte." [2]. Dieses wird in der Quelle [2] in §8, Kapitel 3.3 "Justinian: Der Kaiser als Herr über den Papst" (Seite 414) weiter beschrieben. Diese Äußerungen passen nicht ganz zur Auslegung, oder? nach oben
2) Zu 538:
Das Problem liegt darin, daß die von Ihnen benutzte Literatur vor allem auf den dogmatischen Primatanspruch des Papstes, also auf seine kirchenpolitische Machtposition eingeht. Nach Dan 7, 17 („Diese großen Tiere, deren vier waren, sind vier Könige, die von der Erde aufstehen werden“) Dan 7, 24 („Und die zehn Hörner: aus jenem Königreich werden zehn Könige aufstehen; und ein anderer wird nach ihnen aufstehen, und dieser wird verschieden sein von den vorigen und wird drei Könige erniedrigen“) geht es aber in der Prophetie in erster Linie um etwas anderes, nämlich um die Ausübung weltlicher Politik durch den Papst und besonders um die Ausbildung des Kirchenstaates.
Betrachtet man die in Ihren Quellen beschriebenen Ereignisse und Umstände unter diesem Blickwinkel ergibt sich ein völlig anderes Bild: Zur Zeit der Ostgotenherrschaft war der Papst das Oberhaupt einer häretischen Kirche, die in ihrem Glauben von der arianischen Staatskirche abwich. Die Ostgoten duldeten zwar den Katholizismus, aber staatlich-politische Funktionen konnte er in dieser Situation nicht übernehmen, staatspolitisch war er kaltgestellt. Gerade dadurch war der Papst aber auch für die Ostgoten in seiner Kirchenpolitik völlig harmlos, wodurch er freie Hand hatte, seine kirchenpolitische Stellung auszubauen, ohne durch Einmischung staatlicher Stellen gehindert zu werden. Aber zu beginnen, den privaten Grundbesitz der Kirche in einen eigenständigen Staat zu verwandeln, war unter diesen Umständen unmöglich.
Eine völlige Umkehrung der Verhältnisse trat 538 mit der Eroberung Roms durch Justinian ein. Nun war der Papst wieder ein Vertreter der Staatskirche und aufgrund der engen Verknüpfung zwischen Kirche und Staat auch wieder tauglich, politische Macht auszuüben. Aber im Gegensatz zur Zeit der weströmischen Herrschaft über die Stadt Rom vor 476 befand sich sein Sitz nicht mehr im Zentrum der kaiserlichen Macht, sondern in einer fernen Randprovinz. Dies mußte seinen politischen Einfluß in Italien noch weiter stärken. Dazu kam noch das erhöhte Ansehen durch seine 533 im Kodex Justinianus festgeschriebene Oberherrschaft in der Kirche.
Gerade dies mußte aber zur Schwächung der Kirchenpolitischen Stellung des Papstes führen. Da sein kirchenpolitisches Handeln im Rahmen der Staatskirche nun auch staatspolitische Konsequenzen haben konnte, geriet er in seiner Kirchenpolitik unter eine verstärkte Aufsicht des Staates. Aufgrund seiner vom Kaiser anerkannten Führungsstellung in der Kirche war die Kirchenpolitik des Papstes für den Staat ungleich wichtiger als seine weltliche Politik. Sein Einfluß als Oberhaupt der Kirche erstreckte sich nämlich auf das ganze Reich und mußte deshalb vom Kaiser kontrolliert werden, sein Einfluß als weltlicher Herrscher über den sich entwickelnden Kirchenstaat beschränkte sich dagegen auf einen Teil von Mittelitalien und war daher für den Kaiser in Konstantinopel relativ unwichtig.
Hinzu kommen die Motive, aus denen Justinian die Führungsstellung des Papstes in der Kirche anerkannt hatte. Justinian sah sich selbst als Statthalter Gottes auf der Erde und beanspruchte damit unumschränkte Gewalt über alles, was in seinem Reich geschah, auch über die Kirche. Damit mußte er natürlich in Wiederspruch zu den Führern der Kirche kommen, die kein weltliches Regiment über sich dulden wollten. Am gefährlichsten war für ihn dabei die Machtstellung des Patriarchen von Konstantinopel, der direkten Einfluß in der Hauptstadt hatte und auch für die Kaiserkrönung zuständig war. Um gegenüber diesem ein Gegengewicht zu schaffen wies er dem Patriarchen von Rom, dem Papst, die höchste Stellung in der Kirche zu. (Sich selbst sah er dabei über der Kirche stehend an, wodurch die Stellung des Papstes immer noch unter seiner eigenen war.) Gerade deshalb lehnte die Oströmische Kirche im Gegensatz zum Kaiser die Vorrangstellung des Papstes natürlich ab, um so auch ihre Unabhängigkeit vom Kaiser zu bewahren.
Damit führte die Eroberung Roms durch Justinian im Jahre 538 tatsächlich zu einer Verschlechterung der kirchenpolitischen Stellung des Papstes, da er in Abhängigkeit vom Oströmischen Kaiser geriet und gleichzeitig die Bereitschaft der Ostkirche, seine Stellung anzuerkennen, sank. Dies ist jedoch nicht der Bereich, um den es in der Prophetie geht, dort kann er mit dem Symbol eines Hornes (bei Daniel) oder eines Tieres (in der Offenbarung) nur beschrieben werden aufgrund der weltlichen Macht, die er in Mittelitalien, im entstehenden Kirchenstaat, ausübte. Diese Art der Machtausübung wurde aber durch das Ereignis von 538 nicht nur gestärkt sondern vor allem überhaupt erst möglich.

Das Handeln Justinians im „Drei-Kapitel-Streit“ illustriert diese Zusammenhänge sehr gut: Justinian hatte ein schweres innenpolitisches Problem. In Armenien, in Teilen Syriens, in Palästina und vor allem in Ägypten hing großer Teil der Bevölkerung einer von der Orthodoxie abweichenden Lehre über die Natur Christi an. Diese sogenannten Monophysiten wurden von der Orthodoxen Kirche verfolgt, was vor allem in Ägypten, wo auch der Patriarch von Alexandria der monophysitischen Lehre anhing, zu einem Bestreben nach politischer Selbstständigkeit führte.
Justinian wollte nun versuchen, die Situation durch einen Kompromiß zu entschärfen. Als Einleitung dazu wollte er den Monophysiten im sogenannten „Drei-Kapitel-Streit“ ein Zugeständnis machen: Eine weitere von den Orthodoxen verfolgte Sekte im Oströmischen Reich waren die Nestorianer. In Ihrer Haltung zur Natur Christi wichen sie von der Orthodoxie im Verhältnis zu den Monophysiten genau in der Gegenrichtung ab. In dieser Frage nahmen die Orthodoxen also eine Art Mittelstellung zwischen Nestorianern und Monophysiten ein. Die Nestorianer wurden so also von den Monophysiten noch stärker abgelehnt, als von den Orthodoxen, im Grunde wurden auch die Orthodoxen von den Monophysiten sozusagen als halbe Nestorianer angesehen.
Im Jahre 543 wurden nun die Schriften dreier syrischer Kirchenschriftsteller nestorianischer Tendenzen verdächtigt. Justinian wollte nun den Monophysiten entgegenkommen, indem er diese Schriftsteller als Nestorianer verurteilen lassen und diesen Prozeß dazu benutzen wollte, die Lehrmeinung der orthodoxen Staatskirche stärker in Richtung auf die der Monophysiten zu verschieben.
Der Patriarch von Konstantinopel verweigerte jedoch die Verurteilung der drei Syrer, da er eine Annäherung an die monophysitische Stellung ablehnte. Deshalb wollte Justinian seine Position durch eine Stellungnahme des Papstes Vigilius als Oberhaupt der Kirche gegen die Schriften der drei Syrer verbessern. Vigilius hatte jedoch die gleiche Meinung, wie der Patriarch von Konstantinopel und lehnte ab. Justinians Versuche, Vigilius unter Druck zu setzen schlugen ebenfalls fehl. Erst 548, fünf Jahre später gelang es ihm dann Papst Vigilius nach Konstantinopel entführen zu lassen und ihn dort zu einer Stellungnahme gegen diese Schriften zu zwingen. Der Erfolg dieser Maßnahme war jedoch eher mäßig. Noch weitere 5 Jahre vergingen, bis es 553 gelang, die endgültige Verbannung der drei Syrer auf dem 5. Ökumenischen Konzil in Konstantinopel zu erreichen. Der dort erarbeitete Theologische Kompromiß mit den Monophysiten wurde allerdings weder von diesen, noch von der Orthodoxen oder der westlichen Kirche anerkannt. Letztlich wurden die Gegensätze sogar noch verschärft.
Man sieht hier deutlich, wie Justinian versucht, Anspruch des Papstes auf Oberherrschaft in der Kirche versucht zu seinen Zwecken zu nutzen, dabei aber aufgrund der Ablehnung dieses Anspruches durch die Ostkirche weitgehend erfolglos bleibt.
Wirklich bezeichnend für unsere Frage nach der politischen Stellung des Papstes in Mittelitalien und nach der Entstehung des Kirchenstaates ist dabei aber die Tatsache, daß es Justinian nicht gelang, den Papst vor Ort in Italien zur Verurteilung der „Drei Kapitel“ zu zwingen, sondern ihn dazu erst nach Konstantinopel entführen lassen mußte, was die Gewaltanwendung offensichtlich machte und so auch Justinians Stellung schwächte. Schon Justinian, der doch Italien weitaus fester im Griff hatte, als alle seine Nachfolger, hatte also auf dem Gebiet des entstehenden Kirchenstaates in Italien nicht genug Macht, um den Papst völlig unter seine Kontrolle zu bringen. Trotz der kirchenpolitischen Niederlage des Papstes zeichnet sich so bereits hier die beginnende Selbstständigkeit des Papstes als weltlicher Fürst ab.

Ab wann entstand nun also der Kirchenstaat? Noch zur Zeit Gregors des Großen und bis zur Zeit der Karolinger blieb das Gebiet um Rom formal aus der Sicht der oströmischen Kaiser ein Teil des Oströmischen Reiches. Im Grunde gaben die oströmischen Kaiser ihren Herrschaftsanspruch nie wirklich auf. Später kam auch noch der Anspruch erst der fränkischen und dann der deutschen Kaiser dazu. Die Ablösung des Kirchenstaates vom Oströmischen Reich erfolgte, ähnlich wie später die von Venedig, langsam und allmählich, sie verlief auch nicht stetig sondern hatte Höhen und Tiefen. Ein Zeitpunkt zu dem der Kirchenstaat etwa im Sinne einer Unabhängigkeitserklärung mit einem Schlag die volle Selbstständigkeit erlängt hätte, läßt sich daher nicht angeben. Aber beginnen konnte dieser Prozeß erst, als das Gebiet um Rom ein Teil des Oströmischen Reiches wurde, und dies geschah im Jahr 538.

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"...Zwischen 505 und 508 erhoben sich die Langobarden gegen die Heruler und schlugen sie schließlich vernichtend. (Die Reste der Heruler zogen teils nach Skandinavien, teils nach Illyrien oder schlossen sich den Langobarden an.) So entstand ein unabhängiges Langobardenreich auf altem römischen Reichsboden in Pannonien. Im Krieg Justinians gegen die Ostgoten verbündete sich dieses Reich mit Ostrom und fügte so seinem Gebiet 536/537 auch Norikum und Raetien (im heutigen Österreich) hinzu."
Ist das nicht etwas problematisch? In Dan 7,8.24 steht, daß das kleine Horn NACH den anderen aufkam. So wie ich das mit den Langobarden verstanden habe, hatten sie zur Zeit der Heruler in Italien kein Reich auf weströmischen Gebiet, sondern erst später, als das erste Horn (Heruler) bereits ausgerissen war. Beißt sich das nicht etwas mit den Bibelstellen? Ich hoffe nicht, daß ich zu pingellich bin, aber... naja...
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Langobarden/Heruler:
Der Bibeltext sagt: „Nach diesem schaute ich in Gesichten der Nacht: und siehe, ein viertes Tier, schrecklich und furchtbar und sehr stark, ..., und es hatte zehn Hörner. Während ich auf die Hörner achtgab, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen; ... Und die zehn Hörner: aus jenem Königreich werden zehn Könige aufstehen; und ein anderer wird nach ihnen aufstehen, und dieser wird verschieden sein von den vorigen und wird drei Könige erniedrigen.“ (Daniel 7, 7-8. 24).
Das Tier hatte zehn Hörner, es wird nicht behauptet, daß diese Hörner gleichzeitig aufkamen. Tatsächlich erstreckt sich das Aufkommen der zehn Hörner über mehr als 250 Jahre. Als erste machen sich die Alamannen bereits 254 im Decumatland im heutigen Südwestdeutschland selbstständig. Um 400 wird unter dem Druck der eindringenden Angeln und Sachsen Britannien von römischen Truppen geräumt, 439 machen sich die Vandalen in Nordafrika unabhängig und 476 wird das weströmische Reich durch die Gründung des Herulerreiches in Italien endgültig zerstört. Damit werden in Spanien auch die Westgoten und die Sueben, in Gallien die Franken und Burgunder und in Pannonien die Westgoten, die alle bereits zuvor in diesen Ländern unter römischer Oberhoheit angesiedelt worden waren, unabhängig. Zuletzt etabliert sich zwischen 503 und 508 das Langobardenreich in Pannonien. Wichtig ist dabei nur wegen Vers 24 („und ein anderer wird nach ihnen aufstehen“), daß sie alle vor 538 aufgekommen sind.
Das Ausreißen der Hörner muß ebenfalls in diesem Zeitraum, aber ebenfalls nicht gleichzeitig erfolgen. Zwischen 493 und 508 verlieren die Heruler ihr Reich, zwischen 533 und 534 die Vandalen und schließlich zwischen 535 und 563 die Ostgoten.
Gibt man das Ausreißen der Heruler mit 493 und das Aufkommen der Langobarden mit 503 an bekommt man tatsächlich die überraschende Situation, daß die Heruler wieder verschwinden, bevor die Langobarden auftauchen, so daß die 10 Hörner dann tatsächlich zu keinem Zeitpunkt alle gleichzeitig existiert hätten. Tatsächlich wird eine solche Gleichzeitigkeit von den Sätzen „und es hatte zehn Hörner. ... Und die zehn Hörner: aus jenem Königreich werden zehn Könige aufstehen“ auch gar nicht unbedingt gefordert. (Man vergleiche auch die Darstellung Roms als Monster mit 7 Köpfen, die obwohl sie in der Vision gleichzeitig sichtbar sind, doch als Regierungen Roms aufeinander folgen. Offb 17, 10: „fünf von ihnen sind gefallen, der eine ist, der andere ist noch nicht gekommen; ...“) Darüberhinaus ist eine Gleichzeitigkeit geschichtlich hier auch nicht völlig ausgeschlossen. Einerseits haben die Heruler offensichtlich zwischen 503 und 508 ein kleines Gebiet im Norden Pannoniens besessen, womit das Ausreißen der Heruler erst 508 erfolgt wäre. Da die Langobarden in Pannonien den Herulern bis 508 nur tributpflichtig waren, nicht aber Teil ihres Reiches, hätten dann in dieser Zeit alle 10 Hörner gleichzeitig existiert. Andererseits ist auch die genaue Grenze des Langobardenreiches nördlich der Donau zur Zeit des Odoaker nicht bekannt. Einige Historiker behaupten, daß es auch das südliche Ufer der Donau und damit einen nördlichen Zipfel des ehemals römischen Pannonien umfaßte, was erklären würde, warum sie ab 503 unter dem Druck der Heruler ihren Schwerpunkt nach Pannonien verlegten, obwohl dort nach allgemeiner Ansicht nominell die Ostgoten herrschten.

Wenn das 4. Tier aus Daniel 7 das römische Imperium darstellt, und die zehn Hörner die Nachfolgestaaten des weströmischen Reiches sind, was ist mit dem oströmischen Reich? Dieses Reich blieb doch noch über 500 Jahre länger bestehen als das weströmische Reich! Und "politisch unbedeutend" war es auch nicht während dieser Zeit! nach oben

Warum gehört das Oströmische Reich nicht zu den 10 Hörnern?
Dies wird schnell deutlich, wenn man das Gesamtbild der Prophezeiungen bei Daniel und in der Offenbarung betrachtet.
Es beginnt mit dem Reich Nebukadnezars in Babylonien. Die Medo-Perser kommen von Norden und Osten erobern das Babylonische Reich und darüber hinaus auch Kleinasien und Ägypten. Diese Gebiete werden neben Babylonien zum wirtschaftlichen und kulturellen Schwerpunkt des Perserreiches, dessen riesige Gebiete im Osten, in Iran, Pakistan, Afghanistan und Zentralasien hauptsächlich aus Wüsten und Steppen bestehen. Anschließend Erobern die Griechen unter Alexander dieses Reich, wodurch sich der Schwerpunkt noch deutlicher weiter nach Westen verschiebt.
Unter den Römern wird diese Westverschiebung noch deutlicher. Sie kommen nicht nur von Westen und fügen dem Reich noch weiter westlich gelegene Gebiete an, sondern vor allem gelangen sie nach Osten nicht mehr über Babylonien hinaus, während die riesigen Gebiete, die die Griechen im Osten besessen hatten, zurück an die Perser fallen, die dort erst das Parther- und dann das Sassanidenreich bilden. Dieses neue Perserreich wird in der Prophetie nicht mehr erwähnt. In Bezug auf die in der Prophetie beschriebene Linie, die weiter über das mittelalterliche und moderne Westeuropa nach Nordamerika (Offb 13) führt, bildet es nur einen blind endenden Seitenzweig, der schließlich von den Moslems erobert wird.
Ein solches Ereignis wiederholt sich offensichtlich beim Übergang vom römischen Reich zu seinem Nachfolger. In Daniel 7 wird das, was auf Rom folgt durch die Zehn Hörner und das kleine Horn beschrieben, in Daniel 2 durch die Füße und Zehen: „Und daß du die Füße und die Zehen teils von Töpferton und teils von Eisen gesehen hast, es wird ein geteiltes Königreich sein; aber von der Festigkeit des Eisens wird in ihm sein, weil du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast. Und die Zehen der Füße, teils von Eisen und teils von Ton: zum Teil wird das Königreich stark sein, und ein Teil wird zerbrechlich sein. Daß du das Eisen mit lehmigem Ton vermischt gesehen hast, sie werden sich mit dem Samen der Menschen vermischen, aber sie werden nicht aneinander haften: gleichwie sich Eisen mit Ton nicht vermischt. (Daniel 2:41-43).“ Diese Beschreibung von dem Reich, daß obwohl es geteilt ist und alle Versuche es zu vereinigen scheitern, doch irgendwie auch ein Reich ist, paßt hervorragend auf das mittelalterliche und neuzeitliche Westeuropa, daß sich trotz seiner politischen Zersplitterung immer auch als Einheit gegenüber der übrigen Welt gesehen hat. Ostrom gehört nicht zu dieser Einheit. Schon vom mittelalterlichen Europa wurde es als fremd angesehen und am Ende des Mittelalters (1453) verschwand es.
In dieses Bild paßt auch Dan 7,8: „Während ich auf die Hörner achtgab, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm ausgerissen...“ Das Bild der Hörner, zwischen denen das kleine Horn steht paßt, wiederum hervorragend auf das mittelalterliche Westeuropa, für das die gemeinsame päpstliche Kirche einen wesentlichen Bestandteil seiner Einheit bildet, während es heute von neuem der Papst ist, der offen propagiert, diese Gemeinsamkeit in den Dienst der Europäischen Einheit zu stellen. (Nordafrika gehört nicht dazu, da das vandalische Horn ja ausgerissen wurde, während Italien durch die langobardische Eroberung bei Westeuropa bleibt.) Wieder gehört Ostrom, das den Papst nicht anerkennt, nicht zu diesen Staaten, die sich um das kleine Horn gruppieren.
Das Römische Reich war im Grunde von Anfang an kulturell in zwei Hälften geschieden. Die westliche Hälfte, ursprünglich barbarisch, wurde gründlich romanisiert. Die östliche Hälfte blieb griechisch bzw. hellenistisch und wurde durch die römische Eroberung kulturell kaum beeinflußt. Seit Diokletian Aufteilung im Jahre 293 kam es dann zu einer zunehmend auch politischen Teilung, die schließlich ab 395 endgültig wurde. Als daß Weströmische Reich dann von den Germanenstaaten abgelöst wurde, trennte sich das Oströmische sehr schnell weitgehend auch von seinen letzten römischen Traditionen und wurde wieder ein griechisches bzw. hellenistisches Reich. So nannten sich die Oströmischen Kaiser des Mittelalters nicht mehr Augustus Caesar oder Imperator, sondern Basileus, was die griechische Bezeichnung der hellenistischen Könige gewesen war. Ebenso wie das neue persische Reich, daß nach dem Ende der griechischen (eigentlich hellenistischen) Periode entstand, hatte dieses nach dem Ende der römischen Periode entstandene griechische Reich keinen direkten Einfluß mehr auf spätere Westeuropa, sondern stellte in Bezug auf die prophetische Linie von Babylon über Westeuropa nach Nordamerika wieder einen blind endenden Seitenzweig dar, der schließlich von den Moslems erobert wurde.

Die Ursache dieser Westverschiebung im Blick der Prophetie liegt in ihrem Locus auf die Endzeit, die zB. in Offb 13 das Heilwerden der tödlichen Wunde zum wichtigsten Merkmal des Tieres macht, obwohl gerade dieses Merkmal erst in der allerletzten Zeit richtig verstanden werden konnte. Geradezu als Programm wird dies in Dan 10, 14 beschrieben: „Und ich bin gekommen, um dich verstehen zu lassen, was deinem Volke am Ende der Tage widerfahren wird; denn das Gesicht geht auf ferne Zeit“. Und in Dan 12, 4 heißt es: „Und du, Daniel, verschließe die Worte und versiegele das Buch bis zur Zeit des Endes. Viele werden es durchforschen, und die Erkenntnis wird sich mehren“. Das Buch Daniel ist deutlich vor allem für die Endzeit, für unsere Zeit, geschrieben. Aber auch an vielen anderen Stellen der Bibel wird diese Tendenz mehr oder weniger deutlich.
Die neuzeitliche Ausbreitung des Christentums über die ganze Welt ging von Westeuropa aus und in den allerletzten Endzeitereignissen spielen die USA und daneben Westeuropa die Hauptrolle. Und die gesamte biblische Prophetie dient letztlich dazu, diese Ereignisse aus ihren historischen Wurzeln heraus für das Volk Gottes in den letzten Tagen verständlich zu machen.
Dieses Anliegen findet man selbst an so unerwarteten Stellen wie der Apostelgeschichte wieder, die in ihrer Beschreibung der Entstehung der christlichen Gemeinde ausführlich über die Mission nach Westen ins römische Reich berichtet, aber kein Wort über die Mission nach Osten in Richtung Zentralasien und Indien berichtet, obwohl historisch bekannt ist, daß diese Mission ebenso rasant und ausgedehnt war, wie die im Westen. So soll nach den apokryphen Thomas-Akten der Apostel Thomas das Evangelium im „Reich des Gudnaphar“ verbreitet haben. Gemeint sein kann hier nur der parthische Prinz Gundofarr, der von 19 bis 65 n. Chr. ein großes Gebiet im Nordwesten Indiens beherrschte. Wenn auch ein solches Buch nicht unbedingt in allen Einzelheiten in der Weise glaubwürdig ist, wie die unmittelbar nach den Ereignissen geschriebenen Schriften des Neuen Testamentes, so bleibt doch als historischer Kern übrig, daß die christliche Mission im Osten schon vor dem Jahr 65 die Grenzen Indiens überschritten hatte. Aber im Osten kam das Christentum niemals zu politischem Einfluß und unter der Herrschaft des Islam verschwanden dann diese Gemeinden nach und nach wieder. Auf die Entwicklung im Westen hatten sie keinen Einfluß und die Bibel erwähnt sie nicht (Allein am Schluß des ersten Petrusbriefes wird flüchtig die Gemeinde in Babylon erwähnt).

Die Bibel kann nicht als Geschichtsbuch verstanden werden, das den Anspruch stellt eine allgemeine Darstellung der Geschichte zu geben, aus der man seine Neugier befriedigen könnte. Sie hat vielmehr das Anliegen, Menschen den Weg des Heils zu erklären, und betreibt zu diesem Zweck eine gezielte Auswahl und Schwerpunktsetzung in ihrer prophetischen und auch historischen Darstellung geschichtlicher Ereignisse. Betrachtet man die Bibel unter diesem Gesichtspunkt, werden Dinge wie die „Unterschlagung“ des Oströmischen Reiches in Daniel 7 leicht verständlich.
Die Bibel beschäftigt sich mit der Prophetie nicht, weil verschiedene Reiche eine hohe politische Bedeutung haben, sondern weil prophezeite Weltreiche eine besondere Rolle spielen im Kampf zwischen Christus und Satan. In der Bibel werden Prophezeiungen gegeben, um denjenigen zu helfen, den Fokus des geistlichen Kampfes im Auge zu behalten, die die Bibel intensiv studieren und ihre Vorhersagen verstehen - d.i. Seine Gemeinde. Die Frage ist daher nicht wie politisch bedeutend oder unbedeutend ein Land ist, sondern wie relevant ist ein Reich in bezug auf den Fortschritt und die Sicherheit der Gemeinde Gottes.

Dann habe ich noch eine allgemeinere Frage: Wenn 3 1/2 Zeiten = 1260 Tage = 42 Monate sind, also bei den Juden ein Monat 30 Tage und ein Jahr 360 Tage hatte (hat?), dann wenden wir ja i.A. das Tag=Jahr-Prinzip in der Prophetie an. Warum verwenden wir denn unsere Jahre (mit 365,256 Tagen) und nicht Jahre mit 360 Tagen? nach oben
Zum Kalender: Unser Kalender ist ein Sonnenkalender. Er beruht auf folgenden astronomischen Tatsachen: Die Erdachse ist geneigt. Aufgrund des Drehimpulserhaltungssatzes behält sie auch während der jährlichen Bewegung der Erde um die Sonne ihre Lage im Raum annähernd bei. Dadurch scheint die Erdachse in ihrer Lage relativ zur Sonne zu rotieren, abwechselnd neigt die Erde erst die Nordhalbkugel, dann die Südhalbkugel der Sonne zu. Dadurch entstehen die Jahreszeiten (Sommer u. Winter, Regen- u. Trockenzeiten). Die Dauer dieser scheinbaren Rotation und damit auch die Periodenlänge, mit der die Jahreszeiten sich wiederholen, beträgt 365,2422 Tage. (Durch das langsame echte Kreiseln der Erdachse, die Präzession, ist dieser Wert etwas kleiner, als die Zeitdauer, die die Erde benötigt, bis sie wieder den gleichen Punkt auf ihrer Bahn um die Sonne erreicht. Dazu benötigt sie 365,2564 Tage, was aber für Kalenderberechnungen bedeutungslos ist.)
Durch ein einfaches System von Normaljahren mit 365 und Schaltjahren mit 366 Tagen hat der von uns benutzte Gregorianische Kalender im Durchschnitt eine Jahreslänge von 365,2425 Tagen. Er folgt also sehr genau dem Zyklus der Jahreszeiten und weicht erst nach etwas mehr als 3300 Jahren um einen Tag ab.
Der Nachteil eines solchen reinen Sonnenkalenders für frühe Kulturen bestand darin, daß die astronomischen Vorgänge, an die er gebunden ist nur sehr langsam ablaufen. Selbst in Deutschland beträgt die durch die scheinbare Drehung der Erdachse hervorgerufene tägliche Verschiebung des Sonnenunterganges auch im Herbst und Frühling, wenn sie am größten ist, weniger als 3 Minuten. Im Mittelmeerraum ist sie entsprechend noch kleiner. Entsprechend klein ist auch die Winkelverschiebung des Ortes des Sonnenunterganges am Horizont. Die fortlaufende Beobachtung dieser Bewegung war demnach in der Antike mit den damaligen Methoden der Zeit- und Winkelmessung sehr schwierig.

Zur fortlaufenden Beobachtung wurde ein kürzerer astronomischer Zyklus benötigt. Natürlich bietet sich hierfür der Mondzyklus geradezu an. Von einem Neumond zum nächsten vergehen genau 29,53063 Tage. Damit erhält man Monate mit fast genau abwechselnd 29 und 30 Tagen (unsere Monate mit 30 und 31 Tagen haben dagegen keinerlei astronomische Grundlage). 12 solcher Monate ergeben dann ein Jahr mit ungefähr 254 Tagen. Auf einem solchen Mondjahr beruht z.B. der mohammedanische Kalender (der in einem 30-jährigen Zyklus jeweils 11 überzählige Jahre mit 255 Tagen einfügt, um die genaue Monatslänge von 29,5306 Tagen zu erhalten).
Der enorme Nachteil eines solchen reinen Mondkalenders liegt darin, daß er um 11 Tage vom Sonnenkalender abweicht und dadurch die Jahreszeiten in einem ungefähr 33-jährigen Zyklus um den Kalender wandern. Existieren, wie bei den Juden und auch vielen anderen Völkern, religiöse Feste, die an Saat und Ernte und damit an die Jahreszeiten gebunden sind, müßten diese Feste in einem solchen Kalender sich in ihrem Datum jedes Jahr um 10 bis 11 Tage verschieben.

Eine mögliche Lösung besteht darin, Sonnen- und Mondkalender mathematisch miteinander zu verknüpfen, wie es zB. der heutige jüdische Kalender tut. Er besteht aus einem komplizierten System von Normaljahren mit 12 und Schaltjahren mit 13 Monaten und von unvollständigen, regelmäßigen und überzähligen Jahren, die sich in der Länge bestimmter Monate von 29 oder 30 Tagen unterscheiden und als Normaljahre Längen von 353, 354 und 355 Tagen, bzw. als Schaltjahre Längen von 383, 384 und 385 Tagen haben, das sich in einem Zyklus von 19 Jahren wiederholt. Die durchschnittliche Jahreslänge beträgt dabei 365,2468 Tage, wobei die Monate tatsächlich annähernd von Neumond bis Neumond reichen. Die durchschnittliche Abweichung vom Zyklus der Jahreszeiten erreicht damit in jeweils 217,4 Jahren einen Tag. Seit seiner Entstehung im 4. Jahrhundert weicht er also bereits um fast 8 Tage ab.

Während dieser Kalender auf komplizierten Berechnungen beruht, umständlich zu handhaben und dabei doch relativ ungenau ist, hatten die Juden in der Zeit des alten Testamentes und noch zur Zeit Jesu ein sehr viel einfacheres und doch genaueres System: Es wurde eine theoretische Monatslänge von 30 Tagen festgelegt. Dieser ungenaue Wert wurde durch Beobachtung korrigiert. Konnte nämlich eine dafür eingesetzte Priesterkommission bereits vor dem Ablauf von 30 Tagen in der Abenddämmerung nach den Tagen der Unsichtbarkeit die schmale Sichel des untergehenden Mondes beobachten, wurde der an diesem Abend beginnende Tag als letzter Tag des alten Monats gezählt und am folgenden Abend begann mit dem Neumondfest der neue Monat. Aufgrund des theoretischen Wertes von 30 Tagen wartete man jedoch auch wenn bewölkter Himmel die Mondbeobachtung verhinderte nie länger als 30 Tage.
Das Jahr hatte theoretisch 12 solcher Monate. Es begann im Frühling (etwa März/April) mit dem Monat Nisan (im jetzigen Kalender der 7. Monat), in dem das Passahfest stattfand. Da mit dem Passahfest die neue Ernte begann und das Frühjahrsgetreide daher in der Mitte des ersten Monats reif sein mußte, überprüfte die für den Kalender zuständige Priesterkommission in der Mitte des 12. Monats den Reifezustand des Getreides in den Feldern um Jerusalem. War für den kommenden Monat noch keine Ernte zu erwarten, wurde ein 13. Monat als Schaltmonat eingeschoben.
Da die Geschwindigkeit, mit der das Getreide reifte, natürlich vom Wetter bzw. Klima und damit von den Jahreszeiten abhängig war, wurde der Kalender so direkt an den Zyklus der Jahreszeiten gebunden und hatte im langjährigen Durchschnitt die genaue astronomische Jahreslänge von 365,2422 Tagen.

Die Bezeichnung offenkundig derselben Zeitperiode in Daniel und Offenbarung mit 3 1/2 Jahren, 42 Monaten und 1260 Tagen zeigt, daß in der prophetischen Symbolik der Bibel die theoretische Jahreslänge von 12 Monaten zu je 30 Tagen, zusammen also 360 Tagen verwendet wird. Eine andere Möglichkeit hätte auch gar nicht bestanden, da die tatsächlichen durchschnittlichen Jahres-, Monats-, und Tageslängen des alten jüdischen Kalenders erstens in keinem ganzzahligen Verhältnis zueinander standen und zweitens den Juden selbst überhaupt nicht bekannt waren.
Trotzdem sind die mit diesen theoretischen Werten symbolisch dargestellten Jahre echte Jahre, die, da die Juden die tatsächliche durchschnittliche Länge ihres Jahres nicht kannten, nicht durch Abzählen der Tage ermittelt wurden, sondern nur zB. von Passahfest zu Passahfest gezählt werden konnten, was eben die Jahreslänge von durchschnittlich 365,2422 Tagen ergibt.
Diese Jahreslänge muß also auch für die prophetischen Zeitketten verwendet werden. Ersatzweise kann man auch unseren Gregorianischen Kalender verwenden, da die Abweichung erst nach etwas mehr als 3300 Jahren einen Tag ergibt, während die längste prophetische Zeitkette in der Bibel nur 2300 Jahre beträgt.

Das diese Überlegung richtig ist, beweist auch eine Weissagung aus Daniel 9, die besonders einfach zu verstehen ist, weil Anfang und Ende der Zeitperiode unverschlüsselt angegeben werden: „So wisse denn und verstehe: Vom Ausgehen des Wortes, Jerusalem wiederherzustellen und zu bauen, bis auf den Messias, den Fürsten, sind sieben Wochen und zweiundsechzig Wochen. Straßen und Gräben werden wiederhergestellt und gebaut werden, und zwar in Drangsal der Zeiten.“ (Daniel 9:25 alte Elberfelder).
In der Geschichte gab es nur einen Erlaß, die Stadt Jerusalem (nicht ihren Tempel!) wieder aufzubauen. Er erfolgte im 7. Regierungsjahr des Artaxerxes, also im Jahr 457v.Chr. Von da an sollten es 7 Wochen und 62 Wochen, zusammen also 69 prophetische Wochen bzw. 483 tatsächliche Jahre bis zum Auftreten des Messias vergehen.
Würde man nun das Jahr mit 360 Tagen zählen, wären 483 solcher Jahre 173880 Tage bzw. 476 gregorianische Jahre. Der Messias hätte im Jahre 19 n.Chr. auftreten müssen. Augenscheinlich ist in diesem Jahr nichts derartiges passiert, für die Geburt Jesu oder seinen ersten Besuch des Passahfestes mit 12 Jahren liegt es zu spät, für den Beginn seines öffentlichen Wirkens zu früh.
Zählt man dagegen 483 gregorianische Jahre zu je 365,2425 Tagen, also zusammen 212936 Tage, kommt man dagegen in das Jahr 27 n.Chr., Das Jahr, in dem nach Lukas Jesus durch Johannes getauft wurde und sein öffentliches Wirken begann!

 

Was bedeutet der Ausdruck ”die 10 germanischen Stämme”? nach oben
Natürlich gab es mehr als 10 germanische Stämme. Aber wie viele Stämme gab es eigentlich? Diese Frage läßt sich im Grunde gar nicht beantworten. Bei manchen Stämmen, vor allem in der Frühzeit, ist es unter Historikern umstritten bzw. es gilt als ungeklärt, ob sie zu den Germanen gehörten oder nicht. Wichtiger noch ist die ständige Aufspaltung, Umgruppierung und Zusammenfassung von Stammesverbänden. Diese Vorgänge spielen gerade während der Völkerwanderung eine große Rolle. FWG (S.24) über die Situation im 3. Jahrhundert:
”Nun erschienen neu gruppierte und größere Stammesverbände: Alemannen, Franken, Markomannen, Quaden. Ihre Unruhe wurde durch die gewalttätige Gärung in den Tiefen des mittel- und Osteuropäischen Raumes geschürt, die durch die Auswanderung der Goten Vandalen, Heruler und Burgunder aus Skandinavien entstanden war.”
Aber die Entwicklung geht weiter. Die Goten teilen sich in Ost- und Westgoten, die Vandalen in Asdingen und Silingen. Auf der Wanderung teilen sich Stämme dadurch, daß Teile von ihnen zurückbleiben. Von den Sueben zieht beispielsweise ein Teil bis Spanien, während ein anderer im heutigen Deutschland bleibt und hier zu den Vorfahren der Schwaben wird. Ähnlich ist es bei den Sachsen, von denen ebenfalls ein Teil im heutigen Deutschland bleibt, während der Rest nach Britannien geht und sich dort mit den Angeln und Jüten zu den Angelsachsen verbindet. Ein weiteres Beispiel eines Zusammenschlusses sind die Thüringer, die sich aus Hermunduren, Angeln und Warnen zusammenschließen.
Auch werden wiederum kleinere Gruppen von großen auf der Wanderung mitgerissen. So hatte der Langobardenkönig Alboin, als er nach Italien zog, in seinem Gefolge nicht nur seine Langobarden, sondern auch eine Gruppe von Sachsen mit Frauen und Kindern, die groß genug war, um ein Kontingent von 20.000 Kriegern zu stellen. Außerdem zogen auch Sueben, Gepiden und sogar nichtgermanische Gruppen mit, wie z.B. Sarmaten.
Andere Gruppen verschwanden völlig oder auch nur zeitweise, ohne daß ihr (zwischenzeitlicher) Verbleib geklärt ist. So war es beispielsweise bei den Langobarden, die zu Beginn des ersten Jahrhunderts an der Elbemündung ansässig waren, dann für über 200 Jahre verschwanden und schließlich in der Völkerwanderungszeit nördlich der Donau im Gebiet des heutigen Ungarn und der Slowakei wieder auftauchten. Dabei wechselten manche Gruppen auch ihre Namen, wie die Chatten, die um 720 als Hessen wieder auftauchen.
Wie kann Ordnung in dieses Chaos gebracht werden? Der Blick auf die eigentliche Aussage des Bibeltextes von Dan. 7, 24 hilft weiter. Die Hörner sind Königreiche! Es geht nicht um irgendwelche Germanenstämme, sondern nur um solche, die
1. in der Nachfolge des Weströmischen Reiches (also auf seinem Gebiet) und
2. vor dem Aufkommen des Papsttums als staatlicher Macht (also vor 538, siehe dazu Problem 3 und 4) Königreiche gebildet haben.
Uninteressant sind also solche Stämme, die zwar Königreiche gebildet haben, deren Gebiet aber außerhalb des Weströmischen Reiches lag, wie die Thüringer im Gebiet des heutigen Westdeutschland, die Rugier im Gebiet der heutigen Slowakei oder die Gepiden im Gebiet des heutigen Rumänien.
Uninteressant sind des weiteren auch Stämme, die zwar in weströmisches Gebiet eindrangen, aber dort kein Königreich bildeten. Dies war etwa bei den Hunnen der Fall – sie waren natürlich keine Germanen, aber der Bibeltext verlangt dies auch nicht – und unternahmen bis 453 zwar Plünderungszüge ins Weströmische Reich hinein, verließen es aber wieder. Ein anderes Beispiel sind die Alanen, die 406 gemeinsam mit den Sueben im Gefolge der Vandalen ins Weströmische Reich einbrachen, dann aber 416 in Spanien von den Westgoten bis auf einen kleinen Rest, der sich den asdingischen Vandalen anschloß, vernichtet wurden (bei der gleichen Gelegenheit wurden auch die silingischen Vandalen vernichtet) oder die Bajuwaren, die zwar im fraglichen Zeitraum (zw. 500 u. 600) bereits im heutigen Bayern südlich der Donau und damit auf altem Reichsboden siedelten, die damals aber noch kein Königreich bildeten. Zu dieser Kategorie zählen offensichtlich auch alle kleinen Splittergruppen, die nur im Gefolge größerer Stämme ins Reich gelangten.
Überhaupt nicht in Betracht kommen natürlich Stämme, die im fraglichen Zeitraum noch nicht oder nicht mehr existierten.
Damit bleiben tatsächlich genau 10 Stämme übrig. Die Reiche der Angelsachsen im heutigen England, die der Westgoten und Sueben in Spanien, der Franken und Burgunder im heutigen Frankreich, die Alamannen im Gebiet zwischen Main und Bodensee, das Vandalenreich in Afrika und das Ostgotenreich in Spanien müssen nicht extra besprochen werden. Man findet sie in jedem Geschichtsatlas. Schwierig sind allein die Heruler und die Langobarden.
Die Heruler sind das wichtigste Germanenvolk im Reich des Odoaker. In der ersten Hälfte des 5. Jhd. waren die Heruler hauptsächlich nördlich der Donau im Gebiet der heutigen Slowakei ansässig. Dann wanderte aber ein Großteil von ihnen nach Italien und siedelte sich dort gemeinsam mit Skiren und Rugiern als weströmische Foederati an. 476 setzten sie den letzten weströmischen Kaiser ab und wählten ihren Anführer Odoaker zum König. Das Übergewicht der Heruler in diesem Staat zeigt sich auch darin, daß Odoaker, obwohl er selbst ein Skire war als ”Rex Herulorum” (König der Heruler) bezeichnet wurde (Meng S. 23). Dementsprechend findet man in allgemeinen Geschichtswerken unter den Ostgermanenstämmen im allgemeinen die Heruler aufgezählt, kaum jemals aber die ebenfalls ostgermanischen Skiren und Rugier (zB. FWG S. 24, 108 u. 126). Später (512) wurden die Heruler vom oströmischen Kaiser als Foederati in Illyrien angesiedelt. Sie blieben dort aber von Ostrom abhängig und wurden schließlich bei einem Aufstandsversuch 566 oder 567 vernichtet.
Die Langobarden erscheinen deshalb auf den ersten Blick problematisch, weil sie vor allem für ihr italienisches Reich bekannt sind, das jedoch erst 568 also nach 538, gegründet wurde. Tatsächlich besaßen sie aber auch schon vorher ein Reich auf weströmischem Boden.
In der Mitte des 5. Jh. hatten die Langobarden bereits ein Reich nördlich der mittleren Donau im Gebiet des heutigen Ungarn und der Slowakei in Nachbarschaft der Heruler. Als 493 das Reich des Odoaker durch die Ostgoten zerstört wurde, wanderte ein großer Teil der italienischen Heruler zurück in die Slowakei (der Rest schloß sich den Ostgoten an). Dort bildeten sie ein Reich, daß durch ein Bündnis mit den Ostgoten zur stärksten Macht in diesem Gebiet wurde und die Langobarden verdrängte. Die Langobarden überquerten daraufhin die Donau nach Süden und drangen zw. 503 u. 505 nach Pannonien (im heutigen Ungarn) ein. Obwohl dieses Gebiet nominell zum Ostgotenreich gehörte, erhoben die Ostgoten keinen Anspruch auf Oberherrschaft, sondern erlaubten statt dessen den Herulern, den Langobarden nachzusetzen und diese tributpflichtig zu machen.
Zwischen 505 und 508 erhoben sich die Langobarden gegen die Heruler und schlugen sie schließlich vernichtend. (Die Reste der Heruler zogen teils nach Skandinavien, teils nach Illyrien oder schlossen sich den Langobarden an.) So entstand ein unabhängiges Langobardenreich auf altem römischen Reichsboden in Pannonien. Im Krieg Justinians gegen die Ostgoten verbündete sich dieses Reich mit Ostrom und fügte so seinem Gebiet 536/537 auch Norikum und Raetien (im heutigen Österreich) hinzu.


Wer sind die drei "ausgerissenen Hörner"
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Mit der Klärung von Punkt 1 ist auch Punkt 2 weitgehend geklärt. Die 10 Hörner (oder 10 Königreiche auf weströmischen Boden) sind die Angelsachsen, Franken, Alamannen, Burgunder, Sueben, Westgoten, Vandalen, Ostgoten, Heruler und Langobarden, nicht als Stämme, sondern als Staaten. Das Ausreißen eines Hornes bedeutet in erster Linie also nicht die Vernichtung eines Stammes oder gar die physische Vernichtung seiner Mitglieder, sondern nur die Auflösung des von ihm gebildeten Staates. Siehe dazu auch Dan. 7, 8.24 (rev. Elberfelder):
8 Während ich auf die Hörner achtete, siehe, da stieg ein anderes, kleines Horn zwischen ihnen empor, und drei von den ersten Hörnern wurden vor ihm [in seiner Gegenwart] ausgerissen; und siehe, an diesem Horn waren Augen wie Menschenaugen und ein Mund, der große Worte redete.
24 Und die zehn Hörner <bedeuten>: aus diesem Königreich werden sich zehn Könige erheben. Und ein anderer wird sich nach ihnen erheben, und dieser wird verschieden sein von den vorigen, und er wird drei Könige erniedrigen [oder KJV: unterwerfen].
Wenn die Auslegung stimmt, müssen also genau 3 der 10 aus dem Weströmischen Reich hervorgegangenen Staaten (d.h. jedoch nicht unbedingt die Stämme in ihrer Existenz] zwischen 476 und der Zeit um 538 wieder verschwunden sein. Dies ist tatsächlich der Fall. Das Herulerreich unter Odoaker wird 493 von den Ostgoten zerstört. Das Vandalenreich wird zwischen 533 u. 534 und das Ostgotenreich zwischen 535 u. 563 von Justinian zerstört.
Unterstützt wird die Beschreibung auch durch die Tatsache, daß diese Staaten der Aufrichtung der päpstlichen Vorherrschaft tatsächlich besonders im Wege standen. Die Ostgermanen (Westgoten, Ostgoten, Vandalen, Burgunder und Heruler) waren nämlich schon seit 343, also lange vor ihrem Eindringen ins weströmische Reich weitgehend zum arianischen Christentum bekehrt worden.
Das Heidentum der Westgermanen, die sich ohnehin bald zum Katholizismus bekehrten (die Franken bereits 498), war für das Papsttum eine weitaus geringere Herausforderung, da es dem Katholizismus keine vergleichbare Kirchenorganisation entgegensetzen konnte. (Ähnlich geht das Papsttum auch heute noch vor, etwa in Brasilien, wo Spiritisten für den Katholizismus kein Problem darstellen, während dies bei protestantischen Freikirchen durchaus der Fall ist).
Während die Staaten der Vandalen, Heruler und Ostgoten vernichtet wurden, bekehrten sich die beiden übrigen Ostgermanenstämme zum Katholizismus (Burgunder 516, Westgoten 589).
Es muß jedoch auch betont werden, daß Dan. 7,24 deutlich zum Ausdruck bringt, daß es sich bei dem elften Horn, dem Papsttum, um ein Reich anderer Art handelt. Uriah Smith, ein adventistischer Autor des vorigen Jahrhunderts, bringt diese Tatsache in seinem Buch Daniel and Revelation (S. 146) gut auf den Punkt:
Whereas, evidently, the prophecy of verses 24,25 refers, not to his civil power, but to his power to domineer over the minds and consciences of men; ... for the prophecy deals with the arrogant efforts of the Roman pontiff to gain power, not with his endeavors to oppress and humble the nations after he had secured the supremacy.
Abschließend noch eine kurze Anmerkung zu dem "katholischen" Glauben des Theoderich: "Katholisch" heißt ursprünglich "rechtgläubig", und in diesem Zusammenhang muß die Äußerung des Theoderich auch gesehen werden. Zu seiner Zeit war der Arianismus so weit verbreitet, daß er mehr Anhänger zählte als der römisch-katholische Glaube. Weil die Arianer sich zudem noch im Recht fühlten, nannten sie sich auch rechtgläubig, was jedoch nicht aussagt, daß damit die Glaubensauffassung des Bischofs von Rom vertreten wurde.


Problem 3 und 4 stehen in so engen Zusammenhang, daß sie gemeinsam besprochen werden. Ist die "tödliche Wunde" wirklich am Ende der 1260 Jahre anzusetzen, oder sollte man sie nicht lieber an den Anfang auf das Römische Reich beziehen? Ist der Anfang mit 538 n.Chr. wirklich korrekt gesetzt?
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Völlig abgesehen davon, daß es ganz einfach logisch naheliegender ist, daß eine Macht die Periode seiner Vorherrschaft damit beendet, daß sie eine tödliche Wunde erhält, als daß sie sie damit beginnt, geht dies auch aus dem Bibeltext hervor, wenn man ihn im Zusammenhang von Offb 12 bis zum Ende von Offb 13 liest.
In Offenbarung 12 wird das Römische Reich als Drache beschrieben, der Jesus töten will (Kindermord zu Bethlehem). Der Drache gibt dann seinen Thron und seine Macht einem weiteren Tier (13, 2). Dieses Tier wird in Vers 1 bis 10 beschrieben. Es wirkt 42 Monate, also 1260 Jahre lang (Vers 5).
Danach taucht ein zweites Tier (abweichend von allen anderen aus der Erde) auf. In dieser Zeit ist für die Menschen das besondere Merkmal des ersten Tieres das Heilen der tödlichen Wunde (Verse 12 bis 14). Erst jetzt findet das in Vers 3 und 4 vorhergesagte Anstaunen und Anbeten statt. Dazu muß das Schlagen und Heilen der tödlichen Wunde zum Zeitpunkt des Auftretens des zweiten Tieres stattfinden und nicht in ferner Vergangenheit mehr als 1000 Jahre davor.
In der Beschreibung des ersten Tieres in Vers 1 bis 10 steht die tödliche Wunde demnach nicht aus zeitlichen Gründen am Anfang, sondern wegen des Fokus der biblischen Prophetie auf die Endzeit. Das Heilwerden der Wunde ist das für uns wichtigste Merkmal dieses Tieres! Übrigens steht auch am Ende der Beschreibung in Vers 10 eine erneute Anspielung auf die tödliche Wunde.
Es ist weiter nötig, sich die Darstellung biblischer Prophetie in den Büchern Daniel und Offenbarung einmal bewußt zu machen. Das Buch Daniel, das im 6. Jh. v. Chr. entstand, gibt einen Überblick über die Weltgeschichte bis zum Ende hin. Beginnend in Kapitel 2 mit der übersichtlichen, jedoch noch relativ groben Schilderung (was z.B. die Zeit des römischen Reichs angeht), wird dieses Bild in Daniel 7 erweitert, wobei jedoch der Fokus von dem "Du bist das goldene Haupt" hin zu dem vierten, schrecklichen Tier verschoben ist, dessen Beschreibung zusammen mit der Schilderung der Ereignisse des himmlischen Gerichts den größten Teil des Kapitels 7 ausmacht. In der Beschreibung des "kleinen Horns" werden verschiedene Kennzeichen genannt, die in ihrer Gesamtheit allein auf das Papsttum zutreffen. Es ist darin auch die Rede vom Ende der Gewalt über die Heiligen des Höchsten, nämlich nach 3 ½ Zeiten, bzw. 1260 Tagen. Warum hörte das "kleine Horn" auf, die Nachfolger Gottes zu verfolgen? Offensichtlich nicht aus Menschenfreundlichkeit, sondern weil ihm seine Macht dazu genommen war.
Johannes schrieb die Offenbarung um 100 n. Chr. Für ihn und die Gläubigen seiner Zeit waren die vorigen Tiere, die auf Babylon, Medo-Persien und Griechenland hinwiesen, bereits erfüllt. Ihn interessierte die Zukunft der Nachfolger Jesu. So werden in Offenbarung 12 und 13 unter dem Symbol des Drachens und des Leoparden/Panthers das heidnische bzw. das christliche Rom dargestellt, d.h. das Bild, das Daniel bereits gegeben hat, wird erweitert. Darum ist es auch möglich, das Merkmal, was am hervorstechendsten ist, gleich zu Anfang zu erwähnen: die tödliche Wunde. Offenbarung 13 beschreibt nicht mehr so sehr die Verfolgungszeit der 42 Monate, führt sie jedoch noch einmal an, sondern konzentriert sich mit dem Auftreten des zweiten Tieres auf die noch fernere Zukunft, die jetzt zum Teil bereits unsere Gegenwart ist. Die tödliche Wunde bildet den Ausgangspunkt der Hauptaussage von Offb. 13, daß den Nachfolgern Gottes noch einmal eine Verfolgung durch das kleine Horn (oder einen Kopf des Tieres aus Offb. 13) unter Mithilfe des zweiten Tieres bevorsteht. Mit anderen Worten: der Kontext zeigt eindeutig, daß die tödliche Wunde – obwohl vor den 42 Monaten angesprochen – erst nach diesen zum Tragen kommt und diese beendet.
Für das Verständnis der Bedeutung der 1260 Jahre und der tödlichen Wunde ist es wichtig wieder genau auf die Bedeutung der prophetischen Symbole zu achten. Nach Dan. 7, 17 bedeutet ein Tier ebenso wie nach Dan. 7, 24 ein Horn ein Königreich. Das erste Tier aus Offb. 12 und das kleine Horn aus Dan. 7 beziehen sich in erster Linie also nicht auf das Papsttum als Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft, sondern auf das Papsttum als politische u. staatliche Macht. Eine solche Macht wurde das Papsttum durch seine weltliche Herrschaft über den Kirchenstaat.
Wann diese begann, ist tatsächlich auf den ersten Blick schwer zu sagen. Schon seit dem 4. Jhd. hatte die römische Kirche durch Schenkungen in Italien großen Grundbesitz, das Patrimonium Petri, erworben. Ein Staat konnte daraus aber natürlich nicht vor dem Untergang des Weströmischen Reiches 476 organisiert werden. Andererseits muß der Zeitpunkt vor dem Pontifikat Gregors des Großen (590 - 604) liegen. Dieser verhielt sich nämlich schon sehr eindeutig wie ein weltlicher Machthaber. Er organisierte das Patrimonium Petri neu, übernahm die Getreideversorgung Roms durch die sizilischen Kirchenbesitzungen, bezahlte den Sold der in seinem Gebiet stationierten oströmischen Truppen und erteilte in Krisenzeiten dem Anführer dieser Truppen Befehle.
Eindeutig feststellen läßt sich das Ende des Papsttums als politischer Macht. Im Jahre 1798 ließ der französische General Berthier nicht einfach nur einen Papst absetzen und gefangennehmen, so etwas war auch in der Vergangenheit schon oft geschehen, sondern er erklärte, was absolut neu war, das Papsttum für abgeschafft, ließ den Kirchenstaat auflösen und in Rom die Republik ausrufen. Dtv-Atlas zur Weltgeschichte 2, 18.Auflage S.23: ”1798 .. der Kirchenstaat wird nach der Besetzung Roms und Gefangennahme des Papstes zur Römischen, ..., Republik erklärt.”
In der Folgezeit gab es einige Versuche, den Kirchenstaat wieder aufzurichten (1801, 1815, 1849) aber mit dem Abschluß der Einigung Italiens 1870 mußten derartige Versuche endgültig aufgegeben werden. Die dem Papsttum als politischer Macht 1798 zugefügte Wunde schien schließlich tatsächlich zum Tod geführt zu haben. Das Tier existierte nicht mehr als solches (vgl. dazu auch Offb. 17).
Doch die Wunde wurde wieder heil. Durch den Lateranvertrag mit Mussolini 1929 wurde der Papst wieder zum Oberhaupt eines wenn auch winzigen Staates. Seitdem läßt sich beobachten, wie das Papsttum zunehmend wieder Ansehen und Einfluß gewinnt.
Mit dieser eindeutigen Festlegung des Endes der 1260 Jahre ist es nicht gewagt, sondern völlig natürlich, die 1260 Jahre von 1798 zurückzurechnen und zu sehen, was im Jahre 538 geschah. Wenn die bisherige Auslegung stimmt, muß 538 etwas geschehen sein, daß dem Papst erlaubte, im Bereich des Patrimonium Petri erstmals politische Verantwortung zu übernehmen. Dies war tatsächlich der Fall: 538 wurde Rom durch die Truppen Justinians befreit und die Ostgoten aus seiner Umgebung vertrieben.
Während die arianischen Ostgoten dem Papst die Ausübung politischer Macht verweigert hatten, tat das katholische oströmische Reich dies nicht. Es förderte den Papst darin sogar. Dies geschah dadurch, daß Justinian, um sich besser gegen den Patriarchen von Konstantinopel behaupten zu können, im Codex Justinianus 533 als geltendes Recht festlegen ließ, daß der Papst die höchste Stellung in der gesamten christlichen Kirche haben sollte. Da die Kirche nämlich vor allem im weströmischen Bereich schon längst zunehmend auch Funktionen der während der Völkerwanderung zerfallenden römischen Verwaltung übernommen hatte und damit auch eine politische Rolle spielte, war es für die dortigen Einwohner nur natürlich, die von Justinian festgelegte Vorherrschaft des Papstes auch auf den politischen Bereich zu beziehen.
Solange Italien von Arianern beherrscht wurde, konnte ein solcher politischer Anspruch aber nur auf dem Papier bestehen. Damit begann der Aufbau des Kirchenstaates im Jahre 538 und erreichte, wenn er auch Schwierigkeiten und Rückschläge erlitt, vor allem durch den Ostgotenaufstand ab 541, 50 Jahre später unter Gregor dem Großen seinen ersten Höhepunkt.
Quellen:
Fischer Weltgeschichte Bd. 9, Frankfurt am Main 1968; (FWG)
Wilfried Menghin, Die Langobarden - Archäologie und Geschichte, Stuttgart 1985; (Meng)
J.H. Merle d‘Aubigne, History of the Reformation of the Sixteenth Century, London 1846
Das grosse Fischer Lexikon in Farbe, Frankfurt am Main 1975/76 (Stichworte: Hessen, Thüringer, Schwaben, Kirchenstaat).
Uriah Smith. Daniel and the Revelation. Battle Creek, Michigan 1897.

Die 2300 Abende und Morgen (Daniel 8,14) nach oben

Lieber Herr ..., ich freue mich über Ihr Interesse an unseren Internetseiten und bedanke mich für Ihre E-Mail mit der Frage über die 2300 Abende und Morgen.

Und er antwortete mir: Bis zweitausenddreihundert Abende und Morgen vergangen sind; dann wird das Heiligtum wieder geweiht werden. (Daniel 8,14)

Aus diesem Bibelvers, dem einzigsten, in dem von den 2300 Abenden und Morgen die Rede ist, ergeben sich zwangsläufig folgende drei Grundfragen:

1. Welchem Zeitraum entsprechen 2300 Abende und Morgen?
2. Wann ist der Anfangspunkt (und demnach der Endpunkt) dieses Zeitraums zu setzen?
3. Was bedeutet „das Heiligtum wieder weihen“ oder „reinigen“?

Wenn nach dem Grundsatz „die Bibel legt sich selbst aus“ vorgegangen wird, können diese Fragen alle richtig beantwortet werden. Dies ist auch unser Verständnis der Heiligen Schrift.

1. Welchem Zeitraum entsprechen 2300 Abende und Morgen? nach oben

Im Anfang der Bibel in der Schöpfungsgeschichte ist zum mehrmals die Rede von Abenden und Morgen, z.B. 1.Mose 1,5 b: Da ward aus Abend und Morgen der erste Tag.

Demnach müssen Abend und Morgen biblisch gesehen einen Tag bedeuten.

In Daniel 8 Vers 14 ist also die Rede von 2300 Tagen. Diese 2300 Tage wären allerdings in der Weltgeschichte eine sehr kurze Zeit (nur etwas mehr als 6 Jahre). Nach wichtigen Schriftzeugnissen zählen Tage in der Prophetie der Bibel anders. Hierzu möchte ich zwei Bibelstellen anführen:

4Mo14,34 Nach der Zahl der vierzig Tage, in denen ihr das Land erkundet habt - je ein Tag soll ein Jahr gelten -, sollt ihr vierzig Jahre eure Schuld tragen, auf daß ihr innewerdet, was es sei, wenn ich die Hand abziehe.

Hes4,6 Und wenn du dies vollbracht hast, sollst du danach dich auf deine rechte Seite legen und sollst tragen die Schuld des Hauses Juda vierzig Tage lang; denn ich gebe dir hier auch je einen Tag für ein Jahr.

Es ist ein biblischer Schlüssel und Grundsatz, der auf alle Vorhersagen in den Schriften angewendet werden muß, um die rechte Erkenntnis zu bekommen. Bei dem Gesicht von Daniel bedeuten 2300 Tage in Wirklichkeit 2300 Jahre!

2. Wann ist der Anfangspunkt (und demnach der Endpunkt) dieses Zeitraums zu setzen? nach oben

Um diese Frage ausreichend zu klären, muß nach einem anderen biblischen Prinzip vorgegangen werden, nämlich daß Bibelverse nicht aus dem Zusammenhang gerissen werden dürfen. Deshalb ist es wichtig, die Kapitel 8 und 9 im Zusammenhang zu studieren. Ich möchte zur Hilfestellung nur auf einige Verse in den Kapiteln hinweisen:

Dan8,15 Und als ich, Daniel, dies Gesicht sah und es gerne verstanden hätte, siehe, da stand einer vor mir, der aussah wie ein Mann,
Dan8,16 und ich hörte eine Menschenstimme mitten über dem Ulai rufen und sprechen: Gabriel, lege diesem das Gesicht aus, damit er's versteht.
Dan8,17 Und Gabriel trat nahe zu mir. Ich erschrak aber, als er kam, und fiel auf mein Angesicht. Er aber sprach zu mir: Merk auf, du Menschenkind! Denn dies Gesicht geht auf die Zeit des Endes.

Daniel wollte das Gesicht verstehen. Der Engel erhielt den Befehl, Daniel das Gesicht zu erklären, damit er es verstand. Doch es mußte noch einige Zeit vergehen. In Daniel 9,2 lesen wir dann, daß Daniel zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft über eine Vision des Propheten Jeremia nachdachte:

Dan9,2 in diesem ersten Jahr seiner Herrschaft achtete ich, Daniel, in den Büchern auf die Zahl der Jahre, von denen der HERR geredet hatte zum Propheten Jeremia, daß nämlich Jerusalem siebzig Jahre wüst liegen sollte.
Dan9,3 Und ich kehrte mich zu Gott, dem Herrn, um zu beten und zu flehen unter Fasten und in Sack und Asche.

In diesem Bußgebet bekannte er die Sünde seines Volkes und seine eigene Sünde. Danach lesen wir:

Dan9,23 Denn als du anfingst zu beten, erging ein Wort, und ich komme, um dir's kundzutun; denn du bist von Gott geliebt. So merke nun auf das Wort, damit du das Gesicht verstehst.

Schon als Daniel niederkniete zu Beginn des Gebetes erhielt der Engel Gabriel den Befehl von Gott, Daniel das Gesicht von den 2300 Abenden und Morgen (also von den 2300 Jahren) auszulegen.

Dan9,24 Siebzig Wochen sind verhängt über dein Volk und über deine heilige Stadt; dann wird dem Frevel ein Ende gemacht und die Sünde abgetan und die Schuld gesühnt, und es wird ewige Gerechtigkeit gebracht und Gesicht und Weissagung erfüllt und das Allerheiligste gesalbt werden.
Dan9,25 So wisse nun und gib acht: Von der Zeit an, als das Wort erging, Jerusalem werde wiederaufgebaut werden, bis ein Gesalbter, ein Fürst, kommt, sind es sieben Wochen; und zweiundsechzig Wochen lang wird es wieder aufgebaut sein mit Plätzen und Gräben, wiewohl in kummervoller Zeit.

Obwohl hier der Mann Gabriel von einem weiteren Zeitraum nämlich Siebzig Wochen gesprochen hat (einer weiteren Zeitprophetie auf den Messias Jesus Christus), sind die Beweise ausreichend, um festzustellen, daß sich diese Erklärung des Engels auf das Gesicht aus Daniel 8,14 bezieht. Zum Verständnis und zur Beantwortung Ihrer Frage genügen diese Verse.

Der Anfangspunkt der Zeitprophezeihung steht also in Daniel 9,25: So wisse nun und gib acht: Von der Zeit an, als das Wort erging, Jerusalem werde wiederaufgebaut werden...

Der Befehl, Jerusalem nach der Vernichtung durch die Babylonier wieder aufzubauen, erging von dem persischen König Artahsasta oder Artaxerxes im Jahre 457 v. Chr. Das steht im Propheten Esra im 7. Kapitel. Ab dem 11. Vers steht der Befehl zum Wiederaufbau geschrieben, der Vers 8 und 9 gibt den genauen Zeitpunkt an:

Esr7,8 Und er kam nach Jerusalem im fünften Monat, im siebenten Jahr des Königs.
Esr7,9 Am ersten Tage des ersten Monats nämlich hatte er beschlossen, von Babel heraufzuziehen, und am ersten Tage des fünften Monats kam er nach Jerusalem, weil die gnädige Hand Gottes über ihm war.

Der Befehl erging im fünften Monat im siebenten Jahr der Regierung des Königs. Im Anhang der Lutherbibel lautet der Beginn dessem Regierungszeit 464 v. Chr. Das siebente Jahr seiner Regierung ist demnach das Jahr 457 v. Chr.

Wenn sie von diesem Jahr ausgehen und 2300 Jahre weiterrechnen, gelangen Sie in das Jahr 1844 (ein Jahr Null gibt es in der Zeitrechnung nicht). – „Denn dies Gesicht geht auf die Zeit des Endes.“ Daniel 8,17

Die 2300 Abende und Morgen erstrecken sich nach biblischer Prophezeiung vom Jahr 457 v. Chr. bis in das Jahr 1844 n. Chr.

3. Was bedeutet „das Heiligtum wieder weihen“ oder „reinigen“? nach oben

Viele Christen haben sich über diese Frage Gedanken gemacht. Welche Bedeutung hat diese zeitliche Vorhersage von Gott?

Es geht in jedem Fall um das Heiligtum, welches Gott durch Moses zur Zeit der Wüstenwanderung bauen ließ:

2Mo25,8 Und sie sollen mir ein Heiligtum machen, daß ich unter ihnen wohne.
2Mo25,9 Genau nach dem Bild, das ich dir von der Wohnung und ihrem ganzen Gerät zeige, sollt ihr's machen.

Da aber im Jahre 1844 das irdische Heiligtum schon lange nicht mehr existierte und auch der Tempeldienst im alten Jerusalem seit Christi Tod abgeschafft war, kann das nachgebaute Heiligtum nicht gemeint sein. Es muß das himmlische Heiligtum sein, welches wieder geweiht wird.

Was bedeutet aber das Heiligtum weihen oder reinigen oder rechtfertigen, wie es in anderen biblischen Übersetzung auch heißt?

Wir lesen im 3. Buch Mose von den Zeremonien, welche im Heiligtumsdienst durchgeführt werden mußten, wegen der Sünden der Israeliten. Dieser Dienst geschah das ganze Jahr über. Nur einmal im Jahr aber ging der Hohepriester in das Allerheiligste der Stiftshütte, das geschah am großen Versöhnungstag (3.Mose Kapitel 16; siehe auch Hebräer 9,7). Das Innere der Stiftshütte wurde symbolisch gereinigt oder geweiht, aber in Wahrheit sollte das Volk gereinigt werden:

3Mo16,30 Denn an diesem Tage geschieht eure Entsühnung, daß ihr gereinigt werdet; von allen euren Sünden werdet ihr gereinigt vor dem HERRN.

Diese Zeit des Jahres war wie ein Gerichtstag für die Israeliten. So ist auch die Reinigung des himmlischen Heiligtums der Beginn der Gerichtszeit für alle Menschen von Adam an bis auf die heutige Zeit. Auch für uns gilt heute, uns von allen Sünden durch das vergebende Blut Jesu Christi reinigen zu lassen.

Für das tiefergehende Studium empfehlen wir Ihnen das beiliegende Heft „Das Heiligtum in Schatten und Wesen“.

Bitte lesen Sie auch auf unserer Internet-Seite die 11. Lektion unseres Bibelfernkurses nach: http://www.historische-adventisten.de/bibelkurs/11heilig.htm

Gottes Segen beim weiteren Studium und herzliche Grüße

 

Kennt die Bibel die These von einer "geheimen Entrückung" der Heiligen vor der Wiederkunft Christi? Werden Menschen in einem 1000jährigen Reich eine zweite Chance bekommen? nach oben

Lieber Herr ...,
vielen Dank für Ihren letzten Brief. Die Frage, die Sie anschnitten, ist eine sehr umfangreiche Frage. Zur Veranschaulichung habe ich Ihnen eine Grafik beigefügt. Hier ist die Zeitchronologie von der Endzeit bis zur völligen Wiederherstellung der Neuen Erde dargestellt. Die vielen Bibelangaben ermöglichen ein genaues nachprüfen der dargestellten Dinge.
Zusätzlich noch ein paar Worte, mit denen ich Ihnen die Chronologie der letzten Ereignisse biblisch zu belegen versuche.

• Das Zweite Kommen Christi ist das Ereignis bei dem die lebenden Gottlosen umkommen werden!

Mt16,27 "Denn es wird geschehen, daß der Menschensohn kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten nach seinem Tun."

2.Thess 2,8: "und dann wird der Gesetzlose offenbart werden. Ihn wird der Herr Jesus umbringen mit dem Hauch seines Mundes und wird ihm ein Ende machen durch seine Erscheinung, wenn er kommt." vgl Hiob 4,7-9; 15,20.30

Jes66,15 Denn siehe, der HERR wird kommen mit Feuer und seine Wagen wie ein Wetter, daß er vergelte im Grimm seines Zorns und mit Schelten in Feuerflammen.
Jes66,16 Denn der HERR wird durch Feuer die ganze Erde richten und durch sein Schwert alles Fleisch, und der vom HERRN Getöteten werden viele sein.

Mt24,37 Denn wie es in den Tagen Noahs war, so wird auch sein das Kommen des Menschensohns.
Mt24,38 Denn wie sie waren in den Tagen vor der Sintflut - sie aßen, sie tranken, sie heirateten und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem Noah in die Arche hineinging;
Mt24,39 und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut kam und raffte sie alle dahin -, so wird es auch sein beim Kommen des Menschensohns.

• Die Toten, die errettet werden, werden bei Christi zweitem Kommen auferstehen!

1Thes4,15 Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen sind.
1Thes4,16 Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen.

• Die lebenden Gottesfürchtigen werden bei Christi zweitem Kommen verwandelt und entrückt!

1Thes4,15 Denn das sagen wir euch mit einem Wort des Herrn, daß wir, die wir leben und übrigbleiben bis zur Ankunft des Herrn, denen nicht zuvorkommen werden, die entschlafen sind.
1Thes4,16 Denn er selbst, der Herr, wird, wenn der Befehl ertönt, wenn die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallen, herabkommen vom Himmel, und zuerst werden die Toten, die in Christus gestorben sind, auferstehen.
1Thes4,17 Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zugleich mit ihnen entrückt werden auf den Wolken in die Luft, dem Herrn entgegen; und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit.

1Kor15,51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;
1Kor15,52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune (vgl. 1.Thessalonicher 4,16). Denn es wird die Posaune erschallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

• Ergo: Die Annahme, daß die Entrückung der Gemeinde vor der Wiederkunft Jesu stattfindet, ist eine Irrlehre, die den Aussagen der Bibel entgegengesetzt ist!

• Die Erlösten sind 1000 Jahre im Himmel, um Gericht zu halten.
Offb20,4 Und ich sah Throne, und sie setzten sich darauf, und ihnen wurde das Gericht übergeben. Und ich sah die Seelen derer, die enthauptet waren um des Zeugnisses von Jesus und um des Wortes Gottes willen, und die nicht angebetet hatten das Tier und sein Bild und die sein Zeichen nicht angenommen hatten an ihre Stirn und auf ihre Hand; diese (die Überwinder, d.i. Gottes Gemeinde) wurden lebendig und regierten mit Christus tausend Jahre.
Offb20,5 Die andern Toten (die Gottlosen) aber wurden nicht wieder lebendig, bis die tausend Jahre vollendet wurden. Dies ist die erste Auferstehung.
Offb20,6 Selig ist der und heilig, der teilhat an der ersten Auferstehung. Über diese hat der zweite Tod keine Macht; sondern sie werden Priester Gottes und Christi sein und mit ihm regieren tausend Jahre.

• Die Gottlosen Toten sind 1000 Jahre lang tot und die Erde in der Zeit wüst und leer.
Offb20,5 Die andern Toten (die Gottlosen) aber wurden nicht wieder lebendig, bis die tausend Jahre vollendet wurden.
Bei dem Kommen Christi werden die Gottlosen von der ganzen Erde vertilgt - verzehrt von dem Geist seines Mundes und vernichtet durch die Erscheinung seiner Herrlichkeit. Christus führt sein Volk zu der Stadt Gottes, und die Erde hat keine Bewohner mehr.
Jes. 24, 1. 3. 5. 6 Siehe, der Herr macht das Land leer und wüst und wirft um, was auf ihr ist, und zerstreut ihre Bewohner. ... Die Erde wird leer und beraubt sein; denn der Herr hat solches geredet. ... Denn sie übertreten das Gesetz und ändern die Gebote und brechen den ewigen Bund. Darum frißt der Fluch die Erde, und büßen müssen's, die darauf wohnen. Darum nehmen die Bewohner der Erde ab, so daß wenig Leute übrigbleiben.
Der Schreiber der Offenbarung sagt Satans Verbannung sowie den Zustand des Chaos und der Verödung, in den die Erde versetzt werden soll, voraus und erklärt, daß dieser Zustand tausend Jahre lang bestehen soll. Nach der Schilderung der Ereignisse bei der Wiederkunft des Herrn und des Untergangs der Gottlosen fährt die Weissagung fort:
Offb. 20, 1-3 Und ich sah einen Engel vom Himmel herabfahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand. Und er griff den Drachen, die alte Schlange, das ist der Teufel und der Satan, und fesselte ihn für tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und verschloß ihn und setzte ein Siegel oben darauf, damit er die Völker nicht mehr verführen sollte, bis vollendet würden die tausend Jahre. Danach muß er losgelassen werden eine kleine Zeit.
Daß der Ausdruck "Abgrund" die Erde in einem Zustand der Verwirrung und der Finsternis bedeutet, erhellen andere Schriftstellen. Über den Zustand der Erde "am Anfang" sagt der biblische Bericht: "Die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe." 1. Mose 1, 2; das hier mit "Tiefe" übersetzte Wort ist in der Septuaginta das gleiche wie das in Offb. 20, 3 mit "Abgrund" wiedergegebene. Die Weissagung lehrt uns, daß die Erde wenigstens teilweise in diesen Zustand zurückgebracht werden wird. Im Hinblick auf den großen Tag Gottes erklärt der Prophet Jeremia: "Ich schaute das Land [Grundtext: die Erde] an, siehe, das war wüst und öde, und den Himmel, und er war finster. Ich sah die Berge an, und siehe, sie bebten, und alle Hügel wankten. Ich sah, und siehe, da war kein Mensch, und alle Vögel unter dem Himmel waren weggeflogen. Ich sah, und siehe, das Fruchtland war eine Wüste, und alle seine Städte waren zerstört." (Jer. 4, 23-26.)

• Nach 1000 Jahren werden die gottlosen Toten wieder auferstehen.
Offb20,5 Die andern Toten (die Gottlosen) aber wurden nicht wieder lebendig, bis die tausend Jahre vollendet wurden.
Offb 20, 7 Und wenn die tausend Jahre vollendet sind, wird der Satan aus seinem Gefängnis losgelassen werden.
Das Gefängnis bestand nach Vers 3 darin, daß Satan die Menschen nicht mehr verführen konnte. Mit ihrer Auferstehung am ende der 1000 Jahre ändert sich diese Situation.
Offb20, 8 und wird hinausgehen, die Nationen zu verführen...

• Nach 1000 Jahren kommt das himmlische Jerusalem mit Jesus und den Heiligen (Erlösten) vom Himmel herab!
Offb3,12 Wer überwindet, den will ich machen zum Pfeiler in dem Tempel meines Gottes, und er soll nicht mehr hinausgehen, und ich will auf ihn schreiben den Namen meines Gottes und den Namen des neuen Jerusalem, der Stadt meines Gottes, die vom Himmel herniederkommt von meinem Gott, und meinen Namen, den neuen.

• Die gottlosen Auferstandenen werden durch Feuer vernichtet. Sie empfangen Urteil des vorangegangenen 1000jährigen Gerichtes!
Offb20,9 Und sie stiegen herauf auf die Ebene der Erde und umringten das Heerlager der Heiligen und die geliebte Stadt. Und es fiel Feuer vom Himmel und verzehrte sie.
Offb20,14 Und der Tod und sein Reich wurden geworfen in den feurigen Pfuhl. Das ist der zweite Tod: der feurige Pfuhl.

Gottes Segen wünsche ich Ihnen
Ihr ...

Können wir bei der Wiederkunft Christi erlöst werden, wenn wir "noch nicht so weit sind"?

Frage 2: In der "persönlichen Entscheidung" ist die Rede vom "Voranschreiten in der Heiligung". Wenn nun der Tag des Gerichts kommt und wir noch nicht so weit vorangeschritten sind, wie Gott es will, haben wir dann je eine Chance auf Besserung.(Diese Frage hat aber nichts mit meiner Einstellung zu tun, denn ich will schon, daß ich mich soweit wie möglich entwickle in dieser Hinsicht. Ich bin halt bloß neugierig)
Antwort: Wenn ich es richtig verstehe, richtet sich die Frage danach, ob wir dann erlöst werden können, wenn "wir noch nicht so weit sind." Die Frage nach der Besserung stellt sich deswegen nicht, weil am Tag des Gerichtes alles entschieden ist. Danach gibt es keine "zweite Chance". (Offenbarung 22,11)
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Unsere Erlösung beruht nicht auf unseren "Leistungen in der Heiligung". Unsere Erlösung hängt von der Gnade Gottes ab. (Röm 4,5) Die Gnade Gottes wird uns durch den Glauben an Christus zugerechnet. Er besitzt die Gerechtigkeit, die vor Gott etwas gilt. Der Schächer am Kreuz, der seinen Glauben an Jesus bekannte, erhielt die Zusicherung: "Wahrlich ich sage dir heute: Du wirst mit mir im Paradiese sein." Er war in der Heiligung noch nicht weit gekommen. Trotzdem war ihm aufgrund seines Glaubens die Verheißung sicher.
Glaube ist die Bedingung, die Gott als passend ersehen hat, den Sündern Vergebung zu verheißen: nicht als wäre irgendeine Tugend im Glauben vorhanden, durch die Erlösung verdient wird -- der Glaube nimmt die Verdienste Christi in Anspruch, das Heilmittel, das für die Sünde bereitgestellt wird. Glaube kann Christi vollkommenen Gehorsam anstelle von Übertretung und Mangel des Sünders darstellen. Wenn der Sünder glaubt, daß Christus sein persönlicher Erlöser ist, vergibt Gott Sünde entsprechend seinen unfehlbaren Verheißungen und rechtfertigt den Sünder ohne Verdienst. Die reumütige Seele erkennt, daß sie gerechtfertigt wird, weil Christus, ihr Stellvertreter und Bürge, für sie starb und ihre Versöhnung und Gerechtigkeit ist.
"Abraham hat Gott geglaubt, und das ist ihm zur Gerechtigkeit gerechnet. Dem aber, der mit Werken umgeht, wird der Lohn nicht aus Gnade gerechnet, sondern als Pflicht. Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit." Gerechtigkeit ist Gehorsam dem Gesetz gegenüber. Das Gesetz fordert Gerechtigkeit, und Gerechtigkeit schuldet der Sünder dem Gesetz; doch er ist unfähig Gerechtigkeit zu leisten. Der einzige Weg, auf dem er Gerechtigkeit erlangen kann, ist durch den Glauben. Durch den Glauben kann er die Verdienste Christi zu Gott bringen, und dem Sünder schreibt der Herr den Gehorsam seines Sohnes gut. Christi Gerechtigkeit wird anstatt des menschlichen Versagens angenommen, und Gott nimmt die gläubige Seele an, vergibt ihr, rechtfertigt und behandelt sie, als hätte sie nie gesündigt und liebt sie, wie Gott seinen Sohn liebt. So wird der Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.

Die Heiligung ist die Frucht dieser zugerechneten Gerechtigkeit. Sie wird auch "verliehene Gerechtigkeit" bezeichnet. Sie zeigt im grunde, ob wir die Gnade der Vergebung wirklich festgehalten haben in unserem Leben und entsprechende Frucht gebracht haben. Also ist auch die Heiligung heilsnotwendig (Hebr 12,14). Die Gerechtigkeit, die uns gerecht spricht, wird uns zugerechnet, die Gerechtigkeit dagegen, die uns heiligt, wird uns verliehen. Jene gibt uns Anspruch auf den Himmel, diese macht uns tauglich für ihn.

Unser Wachstum ist am besten mit dem Wachsen eines Baumes zu vergleichen. Keimt eine Eichel, hat sie gerade begonnen zu wachsen. Ist sie drei Zentimeter groß, ist sie noch sehr weit von ihrem eigentlichen Ziel entfernt. Sie "ist noch nicht soweit". Trotzdem kann sie in jedem Stadium vollkommen sein. Gemäß ihres Wachsttums und ihres Alters ist sie zwar noch nicht so weit, aber dennoch vollkommen. So soll es auch mit uns sein. Wir lernen ständig hinzu und wachsen. Solange wir in der Gnade Jesu leben, wachsen wir. Kommen wir dann irgendwann während dieses Prozesses in das Gericht, wird unser Wachstum von der Gnade zeugen, die wir zu unserer Erlösung angenommen haben.

Ich hoffe die Antwort trifft die Frage.

 

Wie man mit der Angst umgehen soll nach oben

Liebe ..., laß mich einige Gedanken über die Angst schreiben, die Du in dem letzten Brief erwähntest.
"Ich habe einfach angst, daß von mir geliebte Menschen nicht von Gott
angenommen werden (ich weiß ja auch nicht, ob ich es werde!!)!!!
Ich habe auch angst, nicht mehr unbeschwert leben zu können, weil ich noch
viel erleben möchte. Ist das zu weltlich gedacht??
Wenn ich mich mit diesen ganzen Sachen beschäftige, beschleicht mich eine
existenzielle Angst! Was kann ich dagegen tun?"

Angst wird von vielen besonders in der Religion als etwas rein negatives angesehen. Angst muß aber nicht zwangsläufig eine negative Erfahrung sein. Vielleicht klingt das merkwürdig, aber ein Beispiel kann das vielleicht verdeutlichen. Wenn auf einem Fluß flußabwärts treibe und plötzlich vor mit das gewaltige Tosen eines vor mir herabstürzenden Wasserfalles höre, bekomme ich Angst. Angst herunterzustürzen und zu sterben. Diese Angst ist der wesentliche Motor um mein Leben zu rudern oder um Hilfe zu schreien. Wäre ich angesichts der drohenden Gefahr gleichgültig, würde ich nichts zu meiner Errettung unternehmen und würde umkommen. Ganz ähnlich ist es mit der Bibel. Sie ist für uns das Mittel, mit der wir das Tosen des Wasserfalles wahrnehmen können. Aber sie vermittelt uns nicht nur die Gefahr, sondern zeigt uns vor allem auch den einzigen Rettungsweg aus der Gefahr. Und damit wird sie zuerst für uns ein heilsamer Schrecken, dann aber unser Frieden. Ganz ähnlich kann es uns beim Arzt ergehen. Nehmen wir an, ein Arzt stellt fest, daß wir an einer tödlichen Krankheit leiden, z.B. Krebs. Wenn er uns sagt, daß wir von dieser Krankheit betroffen sind, bekommen wir Angst. Das ist von dem Arzt nicht böse gemeint, sondern gut. Anders ist uns ja auch nicht zu helfen. Wir müssen erst einsehen, daß wir krank sind und der Hilfe bedürfen. Dann kann uns der Arzt auch helfen und uns heilen. Auch das mag einen schmerzlichen Eingriff bedeuten, z.B. eine Operation. Aber sie dient zu unserem Guten.
So kann uns der HERR, unser Arzt (2Mo15,26) auch nur heilen, wenn wir unsere Gefahr und unsere Krankheit richtig erkannt haben. Ein Patient, der sorglos gegenüber seiner Erkrankung ist, wird sich weder entsprechend behandeln lassen noch sein Leben in der erforderlichen Weise umstellen. "Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu rufen und nicht die Gerechten." Lk5,31.32
Das bedeutet, eine Angst um unser Seelenheil wirkt Gottes Geist in uns, um uns zum Handeln zu bewegen und Jesus Christus als unseren einzigen Erretter anzunehmen. "Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis." Spr1,7 Ich habe einmal folgendes gelesen: "Der Herr wünscht, daß sein Volk ihm vertraut und in seiner Liebe bleibt, doch bedeutet dies nicht, daß wir furchtlos oder ohne Besorgnis sein sollen. Einige scheinen zu denken, wenn jemand eine rechte Furcht vor den Gerichten Gottes hat, so sei dies ein Beweis seines Glaubensmangels; doch trifft dies nicht zu. Eine rechte Gottesfurcht, die an die Drohungen Gottes glaubt, bewirkt eine friedsame Furcht der Gerechtigkeit, weil diese Gottesfurcht die zitternde Seele veranlaßt, zu Jesus zu fliehen. Viele sollten heute diesen Geist haben und sich in Demut und Reue zum Herrn kehren, denn er hat nicht deshalb so viele schreckliche Drohungen gegeben und so viele harte Gerichte in seinem Wort verkündigt, um sie nur auf Papier stehen zu haben, sondern er meint, was er sagt. Jemand sagt: "Schrecken hat mich ergriffen, weil die Bösen dein Gesetz verlassen" (Psalm 119,53 nach KJV). Paulus sagt: "Weil wir daher den Schrecken des Herrn kennen, überreden wir Menschen" (2.Korinther 5,11 nach KJV)"
doch nun zu der wichtigeren Frage von Dir: "Was kann ich dagegen tun?"
Wie schon oben erwähnt soll Dich die Furcht dazu veranlassen, davon überzeugt zu werden, daß Du eine Sünderin bist, die ohne Jesus verloren ist. Genau diese Erkenntnis soll in Dir das Verlangen erwecken mehr von Jesus und aus der Bibel zu erfahren. Den Charakter und das Wesen Gottes genauer kennenzulernen, Seinen Willen zu erfahren und ihn auch in Dein Leben umzusetzen. Also Dein Leben Ihm übergeben. Die Folge dieser Erfahrung, Gott zu kennen und lieben zu lernen, wird ein nie gekannter Friede sein. Johannes sagt daher: "Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, daß wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt. Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe." 1Joh4,18 Diese vollkommene Liebe zu erreichen, ist der Wille Gottes für Seine Kinder. Sie ist aber eng damit verknüpft, uns auch von der Sünde zu befreien. Die Furchtlosigkeit eines Menschen, und sei er ein bekennender Christ, der an seinen Sünden festhält oder sie nicht als solche einsehen mag, ist nichts anderes als Sorglosigkeit, die ein totes geistliches Leben offenbart. In einem solchen Zustand der Sorglosigkeit Gottes Verheißungen zu beanspruchen, ist kein Glaube, sondern Vermessenheit.
Mein Rat an Dich lautet, beschäftige dich weiter mit der Bibel. Verdränge nicht die Furcht, die ja der Realität angemessen ist, sondern löse die Furcht nach der Weise, die Gott dafür vorgesehen hat. Lies weiter im Wort Gottes und handle nach Deiner neu gewonnen Erkenntnis. So wirst Du einen vorher nie gekannten Frieden erfahren. Ein Verdrängen wird Dir niemals Frieden vermitteln. Das ist unmöglich.
"Ich habe auch angst, nicht mehr unbeschwert leben zu können, weil ich noch viel erleben möchte. Ist das zu weltlich gedacht?? "
Diese Angst solltest Du verlieren. Sie hält Dich zurück, das Leben zu finden. Jesus sagt: "Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben." Johannes 8,12; und "Ich bin gekommen, damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen." Johannes 10,10; "Du tust mir kund den Weg zum Leben: Vor dir ist Freude die Fülle und Wonne zu deiner Rechten ewiglich." Ps16,11
Wenn ich Dir helfen kann, Antworten auf Deine Fragen zu finden, würde ich dafür sehr dankbar sein. Ich habe sie ja selbst gestellt und stelle sie auch noch. Die versprochene Literatur habe ich auf den Weg gebracht. Ich hoffe, es wird Dir nicht alles zu viel. Ich würde Dir gerne noch ein Angebot machen, das neben dem Lesen der Bücher parallel laufen kann: einen Bibelkurs. Er geht Schritt für Schritt voran und hilft dabei, die Bibel selbst zu entdecken. Er kann interaktiv im Internet absolviert werden aber auch auf dem Postweg. Sage mir Bescheid, ob Du von dem Angebot Gebrauch machen willst.
Ich wünsche Dir Gottes Segen und freue mich bald von Dir zu hören.



ich wünsche Dir Gottes Segen, stetiges Wachstum und die Erfahrung dieser Gnade
bis bald

Warum ließ Gott die Sünde zu? nach oben

(1.Kapitel aus dem Buch "Patriarchen und Propheten" von E.G.White - die Geschichte der Erlösung in fünf Bänden) Bibeltexangaben am Ende

"Gott ist Liebe."1 Sein Wesen, sein Gesetz sind Liebe. So war es immer, so wird es immer sein. "Der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt",2 der "wie vor alters einherzog",3 ändert sich nicht. Bei ihm "ist keine Veränderung noch Wechsel des Lichts und der Finsternis".4
Jede Offenbarung der Schöpfermacht ist zugleich ein Ausdruck unendlicher Liebe. Die Herrschaft Gottes schließt die Fülle des Segens für alle Geschöpfe ein. Der Psalmist sagt:
"Du hast einen gewaltigen Arm, stark ist deine Hand, und hoch ist deine Rechte. Gerechtigkeit und Gericht sind deines Thrones Stütze, Gnade und Treue gehen vor dir einher. Wohl dem Volk, das jauchzen kann! Herr, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln; sie werden über deinen Namen täglich fröhlich sein und in deiner Gerechtigkeit herrlich sein. Denn du bist der Ruhm ihrer Stärke, und durch deine Gnade wirst du unser Haupt erhöhen. Denn dem Herrn gehört unser Schild, und dem Heiligen in Israel unser König."5
Die Geschichte des großen Kampfes zwischen Gut und Böse, von seinem Ursprung im Himmel bis zur Niederwerfung des Aufruhrs und der vollständigen Ausrottung der Sünde, ist ebenfalls eine Offenbarung der unwandelbaren Liebe Gottes.
Der Herr des Weltalls stand bei seinem Liebeswerk nicht allein. Er hatte einen Mitarbeiter, der seine Absichten und seine Freude am Glück seiner Geschöpfe teilen konnte. "Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort. Dasselbe war im Anfang bei Gott."6 Christus, der Eingeborene Gottes, war eins mit dem ewigen Vater im Wesen und in den Absichten. Er war der einzige, der alle Ratschläge und Vorhaben Gottes begreifen konnte. "Und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst."7

Sein Ausgang ist "von Anfang und von Ewigkeit her gewesen".8 Der Sohn Gottes sagte unter dem Sinnbild der personifizierten Weisheit über sich selbst: "Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her . . . Als er die Grundfesten der Erde legte, da war ich als sein Liebling bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit."9
Durch seinen Sohn wirkte der Vater bei der Erschaffung aller himmlischen Wesen. "Denn in ihm ist alles geschaffen, . . . es seien Throne oder Herrschaften oder Reiche oder Gewalten; es ist alles durch ihn und zu ihm geschaffen."10 Engel sind Gottes dienstbare Geister. Sie strahlen von dem Licht, das immerwährend von seiner Gegenwart ausgeht, und eilen auf raschen Flügeln, seinen Willen auszuführen. Aber der Sohn, der Gesalbte Gottes, "der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens . . . trägt alle Dinge mit seinem kräftigen Wort"11 und hat den Vorrang vor allen. "Der Thron der Herrlichkeit, erhaben von Anbeginn",12 war die Stätte seines Heiligtums. "Das Zepter der Gerechtigkeit ist seines Reiches Zepter."13 "Hoheit und Pracht sind vor ihm, Macht und Herrlichkeit in seinem Heiligtum."14 "Gnade und Treue gehen vor dir einher."15
Die Grundlage der Herrschaft Gottes ist das Gesetz der Liebe. Das Glück aller vernunftbegabten Wesen hängt von ihrer vollständigen Übereinstimmung mit diesen erhabenen Grundsätzen der Gerechtigkeit ab. Gott wünscht von allen seinen Geschöpfen Dienst aus Liebe, der aus der Würdigung des göttlichen Charakters kommt. Er hat keinen Gefallen an erzwungenem Gehorsam. Jeder hat die persönliche Freiheit, ihm aus freiem Willen zu dienen.
Solange alle Geschöpfe die Gehorsamspflicht der Liebe anerkannten, herrschte im gesamten Weltall vollkommene Eintracht. Den Willen ihres Schöpfers zu erfüllen, bedeutete für die himmlische Schar Glück, seine Herrlichkeit widerzuspiegeln und sein Lob zu verkündigen, Freude. Und solange die Liebe zu Gott das Höchste für sie blieb, war die Liebe zueinander selbstlos und voller Vertrauen. Kein Mißklang störte die himmlische Harmonie. Aber dieser glückliche Zustand änderte sich. Es gab einen, der die Freiheit mißbrauchte, die Gott seinen Geschöpfen gewährte.

Die Sünde nahm ihren Ursprung in dem, der nächst Christus von Gott die höchste Ehrenstellung empfangen hatte und unter den Bewohnern des Himmels der Angesehenste an Macht und Herrlichkeit war. Luzifer, der "schöne Morgenstern",16 war der erste der ausgebreiteten Cherubim, heilig und unbefleckt. Er stand in der Gegenwart des Schöpfers, und die Strahlen der Herrlichkeit, die den ewigen Gott einhüllen, ruhten auf ihm. "So spricht Gott der Herr: Du warst das Abbild der Vollkommenheit, voller Weisheit und über die Maßen schön. In Eden warst du, im Garten Gottes, geschmückt mit Edelsteinen jeder Art . . . Du warst ein glänzender, schirmender Cherub, und auf den heiligen Berg hatte ich dich gesetzt, ein Gott warst du und wandeltest inmitten der feurigen Steine. Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir Missetat gefunden wurde." 17
Aber nach und nach keimte in Luzifer das Verlangen nach Selbsterhöhung. Die Schrift sagt: "Weil sich dein Herz erhob, daß du so schön warst, und du deine Weisheit verdorben hast in all deinem Glanz . . ."18 "Du aber gedachtest in deinem Herzen: ,Ich will meinen Thron über die Sterne Gottes erhöhen; ich will . . . gleich sein dem Allerhöchsten.'"19 Obwohl alle seine Pracht von Gott war, betrachtete dieser mächtige Engel sie schließlich als ihm zukommend. Angesehener als die andern der himmlischen Schar, war er mit seiner Stellung doch nicht zufrieden; er begehrte jene Huldigung, die allein dem Schöpfer gebührt. Anstatt Gott bei allen Geschöpfen zum Höchsten zu erheben, bemühte er sich, ihre Anhänglichkeit für sich zu gewinnen. Ihn verlangte nach der Herrlichkeit, mit der der unendliche Vater seinen Sohn ausgestattet hatte. Dieser Engelfürst erstrebte das alleinige Hoheitsrecht Christi.
Damit war die vollkommene Eintracht des Himmels zerstört. Luzifers Neigung, an sich selbst zu denken, statt seinem Schöpfer zu dienen, weckte Besorgnis bei denen, die Gottes Ehre als das Höchste ansahen. Gott selbst hatte die Ordnung des Himmels begründet. Wenn Luzifer davon abwich, entehrte er seinen Schöpfer und brachte sich selbst den Untergang. Aber die Warnung, die ihm in grenzenloser Liebe und Barmherzigkeit zuteil wurde, weckte nur seinen Widerstand. Luzifer gab der Mißgunst gegen Christus Raum und wurde nur um so entschlossener.

Nun begann dieser Engelfürst dem Sohne Gottes die Oberhoheit streitig zu machen und damit die Weisheit und Liebe des Schöpfers in Zweifel zu ziehen. Alle Kräfte dieses überragenden Geistes, der nach Christus der bedeutendste unter den himmlischen Heerscharen war, richteten sich auf dieses Ziel. Aber Gott wollte Geschöpfe mit freier Entscheidungsmöglichkeit und ließ niemanden gegenüber der verwirrenden Spitzfindigkeit wehrlos, mit der der Aufruhr gerechtfertigt werden sollte. Ehe der große Streit begann, sollten alle eine klare Vorstellung vom Willen Gottes haben, dessen Weisheit und Güte die Quelle ihrer Freude war.
Der Sohn Gottes teilte den Thron mit dem Vater, und die Herrlichkeit des Ewigen, aus sich Lebenden umschloß sie beide. Um den Thron standen die Engel, eine riesige, unzählbare Menge, "vieltausendmal tausend".20 Als Untertanen und Diener erfreuten sich die bedeutendsten Engel des Lichtes, das aus der Gegenwart Gottes auf sie fiel. Vor den Bewohnern des Himmels erklärte der König, daß außer Christus, dem Eingeborenen Gottes, niemand seine Absichten ganz begreifen könne und daß ihm die Durchführung seiner Vorhaben übertragen sei. Der Sohn Gottes hatte des Vaters Willen schon bei der Erschaffung aller Himmelsheere ausgeführt. Ihm schuldeten sie wie Gott Ehrerbietung und Ergebenheit. Christus sollte auch bei der Erschaffung der Erde und ihrer Bewohner göttliche Macht ausüben. Aber bei alledem würde er nie im Widerspruch zu Gottes Plan stehen und eigene Macht und Ehre suchen. Er würde vielmehr des Vaters Herrlichkeit preisen und dessen auf Liebe und Wohltat gerichtete Absichten ausführen.
Die Engel anerkannten freudig Christi Vorherrschaft, fielen vor ihm nieder und brachten ihm ihre Liebe und Anbetung dar. Luzifer beugte sich mit ihnen, aber in seinem Herzen tobte ein seltsamer, heftiger Kampf. Wahrhaftigkeit, Gerechtigkeitssinn und Treue lagen im Widerstreit mit Neid und Eifersucht. Der Einfluß der heiligen Engel schien ihn eine Zeitlang davon abzubringen. Als von Tausenden froher Stimmen Loblieder in wohlklingenden Weisen emporstiegen, schien der Geist des Bösen überwunden zu sein. Unaussprechliche Liebe ergriff sein Herz. Er war in der Liebe zum Vater und zum Sohne in voller Ubereinstimmung mit den sündlosen Anbetern.

Aber wieder überkam ihn der Stolz. Das Verlangen nach Oberherrschaft kehrte zurück, und abermals gab er dem Neid auf Christus Raum. Die hohen Würden, die er bereits innehatte, sah er nicht als besondere Gottesgabe an, deshalb erweckten sie auch keine Dankbarkeit dem Schöpfer gegenüber. Glanz und Würden ließen ihn danach streben, Gott gleich zu sein. Die himmlischen Heerscharen liebten und verehrten ihn. Sie freuten sich, seine Befehle auszuführen. Doch der Sohn Gottes stand über ihm und war dem Vater an Macht und Ansehen gleich. Er hatte Anteil an dessen Ratschlüssen, während Luzifer in solchem Maße niemals in Gottes Absichten einbezogen wurde. "Warum", fragte dieser mächtige Engel, "soll Christus die Vorherrschaft haben? Warum wird er höher geehrt als ich?"
Luzifer mied fortan den Platz in der unmittelbaren Nähe des Vaters und versuchte den Geist der Unzufriedenheit unter den Engeln zu verbreiten. Er arbeitete mit rätselvoller Heimlichkeit und verbarg sogar eine Zeitlang seine wahre Absicht unter scheinbarer Verehrung Gottes. Aber er deutete Zweifel über die Gesetze an, die die Engel als himmlische Wesen regierten. Er gab zu verstehen, daß solche wohl notwendig seien für die Bewohner der Welten, aber nicht für Engel, deren Weisheit ihnen hinlänglich Ratgeber sei. Wie könnten sie, deren Gedankenwelt geheiligt wäre, Gott Unehre bereiten! Sie könnten sich so wenig irren wie Gott selbst. Die Erhöhung des Sohnes Gottes auf die Ebene des Vaters stellte Luzifer als eine Ungerechtigkeit gegen ihn hin. Auch er habe, so behauptete er, Anspruch auf Verehrung. Wenn er als Engelfürst nur seine rechtmäßige hohe Stellung erlangen könnte, würde daraus für das gesamte Himmelsheer viel Gutes erwachsen. Denn es wäre sein Ziel, für alle die Unabhängigkeit zu wahren. Aber jetzt sei es mit der Freiheit vorbei, die sie bisher genossen hätten, denn ihnen sei ein absoluter Herrscher bestimmt worden, dem sie alle huldigen müßten. So sahen die spitzfindigen Trugbilder aus, die sich durch Luzifers Tücke in den himmlischen Vorhöfen festsetzten.
In der Stellung oder dem Ansehen Christi hatte sich nichts geändert. Nur Luzifers Neid, seine falsche Darstellung und die Forderung, Christus gleich zu sein, hatten es notwendig gemacht, die rechtmäßige Stellung des Sohnes Gottes darzulegen. Sie war seit Anfang dieselbe geblieben. Aber viele Engel ließen sich durch Luzifer täuschen.

Unter Ausnutzung der Liebe und des Vertrauens, die ihm die Engel unter seinem Befehl schenkten, flößte er ihnen sein eigenes Mißtrauen und seine Unzufriedenheit ein. Dabei ging er so geschickt vor, daß sie die Wirkung gar nicht wahrnahmen. Luzifer hatte Gottes Absichten in falschem Licht dargestellt, sie mißdeutet und entstellt, um Unzufriedenheit und abweichende Meinungen zu erregen. Mit List brachte er seine Hörer dazu, über ihre Empfindungen zu sprechen. Sobald es ihm nützlich schien, wiederholte er dann diese Äußerungen als Beweis dafür, daß die Engel nicht in voller Ubereinstimmung mit der Regierung Gottes stünden. Während er versicherte, Gott treu zu sein, betonte er doch nachdrücklich, daß um der Beständigkeit der göttlichen Regierung willen Änderungen in der Ordnung und den Gesetzen des Himmels notwendig seien. Scheinbar bemüht, Unzufriedenheit zu beseitigen, war er in Wirklichkeit darauf bedacht, Widerspruch gegen das Gesetz Gottes zu erregen. Ihm ging es darum, den ihm anbefohlenen Engeln seine eigene Unzufriedenheit einzuflößen. Im geheimen schürte er Zwietracht und Empörung und brachte es dabei mit vollendeter Geschicklichkeit fertig, den Anschein zu erwecken, als wolle er Eintracht und Frieden erhalten.
Der Geist der Unzufriedenheit, der sich auf diese Weise entzündete, tat sein unheilvolles Werk. Noch gab es keinen offenen Ausbruch von Feindseligkeiten unter den Engeln, es entwickelte sich jedoch, unmerklich zuerst, gegenseitige Abneigung. Einige hörten Luzifers Anspielungen gegen Gottes Regierung nicht ungern. Obwohl sie früher in vollkommener Eintracht mit der von Gott errichteten Ordnung gelebt hatten, waren sie unglücklich, weil sie seine unerforschlichen Ratschlüsse nicht durchschauten. Sie sahen auch Christi Erhöhung nur ungern. Dagegen waren sie bereit, Luzifers Verlangen nach gleichem Ansehen mit dem Sohne Gottes zu rechtfertigen. Aber treue, ergebene Engel unterstützten die Weisheit und Gerechtigkeit des göttlichen Ratschlusses und bemühten sich, jene Unzufriedenen mit dem Willen Gottes zu versöhnen. Christus war der Sohn Gottes. Er war eins mit seinem Vater und—schon bevor die Engel ins Dasein gerufen wurden—immer zur Rechten des Vaters gewesen. Nie zuvor war dessen gütige Herrschaft, die sich segensreich auf alle auswirkte, die sich ihr unterordneten, in Frage gestellt und die Eintracht des Himmels gestört worden.

Warum sollte jetzt Zwietracht herrschen? Die Gott treu gesinnten Engel konnten nur schreckliche Folgen aus diesem Zwiespalt erwachsen sehen. Ernst und eindringlich rieten sie daher den Unzufriedenen, solche Gedanken aufzugeben und in Gehorsam Gott die Treue zu halten.
Gott hatte, wie es seiner Wesensart entspricht, lange Nachsicht mit Luzifer. Der Geist der Unzufriedenheit war bisher im Himmel unbekannt gewesen. Er war ein neues Element, fremd, geheimnisvoll, unerklärlich. Luzifer kannte anfangs die wahre Natur seiner Gefühle selbst nicht. Eine Zeitlang hatte er sich gescheut, solche Gedankengänge zu äußern. Aber er wies sie auch nicht von sich. Er sah nicht, wohin er trieb. Mit unendlicher Liebe und Weisheit wollte man ihn von seinem Irrtum überzeugen. Man wies ihm die Grundlosigkeit seiner Unzufriedenheit nach und zeigte ihm, welches die Folgen sein würden, wenn er in Empörung verharrte. Luzifer war von seinem Unrecht überzeugt. Er erkannte: "Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken."21 Er empfand, daß die göttlichen Gesetze gerecht sind und er das vor dem gesamten Himmel bekennen sollte. Hätte er es getan, hätte er sich und viele Engel retten können. Zu der Zeit gab er seine Gehorsamspflicht Gott gegenüber noch nicht völlig auf. Obgleich er seine Stellung als deckender Cherub verließ, hätte er wieder in sein Amt eingesetzt werden können, wenn er nur bereit gewesen wäre, zu Gott zurückzukehren und des Schöpfers Weisheit anzuerkennen. Wäre er doch damit zufrieden gewesen, den Platz auszufüllen, der ihm in Gottes großem Plan zugewiesen worden war! Nun war die Zeit für eine endgültige Entscheidung gekommen. Entweder mußte er Gottes Oberhoheit uneingeschränkt anerkennen oder sich in offener Empörung gegen ihn erheben.
Der mitfühlende Schöpfer suchte in herzlichem Erbarmen Luzifer und seine Anhänger von dem Abgrund des Verderbens zurückzureißen, in den sie zu stürzen drohten. Aber seine Güte wurde mißverstanden. Luzifer hielt die Langmut Gottes für den Beweis seiner eigenen Überlegenheit, als ein Zeichen dafür, daß der König des Weltalls seinen Forderungen doch noch zustimmen würde. Wenn die Engel nur fest zu ihm stünden, erklärte er, könnten sie noch alles gewinnen, wonach sie verlangten.

Hartnäckig verteidigte er seine Handlungsweise und stürzte sich nun ganz in den großen Kampf gegen den Schöpfer. So wurde aus Luzifer, dem "Lichtträger", der Anteil an Gottes Herrlichkeit hatte und vor seinem Throne diente, durch Übertretung Satan, der Gegner Gottes und der heiligen Wesen, der Verderber für jene, die der Himmel seiner Obhut und Führung anvertraut hatte.
Mit Verachtung wies er die Begründungen und dringenden Bitten der treuen Engel zurück und brandmarkte sie als irregeleitete Sklaven. Die Bevorzugung Christi erklärte er als Ungerechtigkeit gegen ihn und das ganze himmlische Heer. Er kündigte an, daß er sich diesem Eingriff in seine und ihre Rechte nicht länger fügen werde. Nie wieder würde er den Vorrang Christi anerkennen. Er war entschlossen, die von ihm beanspruchte Ehre zu fordern und den Befehl über alle zu übernehmen, die seine Anhänger werden wollten. Allen denen, die in seine Reihen eintreten würden, versprach er eine neue, bessere Herrschaft, unter der sie Freiheit genießen sollten. Eine große Zahl von Engeln bekundete die Absicht, seine Führung anzuerkennen. Geschmeichelt über die Bereitwilligkeit, mit der sein Anerbieten aufgenommen wurde, hoffte er, alle Engel auf seine Seite zu ziehen, Gehorsam von den himmlischen Heerscharen verlangen zu können und Gott gleich zu werden.
Noch bedrängten die treuen Engel ihn und seine Anhänger, sich Gott zu unterwerfen. Sie führten ihnen die unabwendbaren Folgen einer Ablehnung vor Augen: Der Schöpfer würde ihren Einfluß zunichte machen und ihre aufrührerische Verwegenheit streng bestrafen. Kein Engel könne Einspruch erheben gegen das Gesetz Gottes, das heilig sei wie er selbst. Sie ermahnten alle, ihre Ohren vor Luzifers trügerischer Beweisführung zu verschließen. Sie baten ihn und seinen Anhang dringend, ohne Zögern die Gegenwart Gottes zu suchen und ihren Irrtum zu bekennen, daß sie seine Weisheit und Machtvollkommenheit bezweifelt hätten.
Viele waren geneigt, diesen Rat zu beachten, ihre Unzufriedenheit zu bedauern und um die Gunst des Vaters und des Sohnes nachzusuchen. Aber Luzifer hatte schon eine andere Täuschung bereit. Der mächtige Empörer behauptete jetzt, daß die Engel, die sich ihm angeschlossen hatten, zu weit gegangen seien, als daß eine Umkehr noch möglich wäre. Er kenne das göttliche Gesetz und wisse, Gott werde ihnen nicht vergeben.

Alle, die sich der Autorität des Himmels fügten, würden ihrer Ehre beraubt und aus ihrer Stellung entfernt. Er selbst sei entschlossen, die Vormachtstellung Christi niemals wieder anzuerkennen. Ihm und seinen Anhängern bliebe nur, ihre Freiheit zu behaupten und die Rechte mit Gewalt zu gewinnen, die man ihnen freiwillig nicht zugestand.
Für Satan traf es zu, daß er schon zu weit gegangen war, aber nicht für jene, die durch seine Täuschungen verführt worden waren. Sie durften aufgrund des Rates und der Bitten der treuen Engel noch hoffen. Und hätten sie die Warnung beachtet, wären sie aus Satans Schlinge entkommen. Aber Liebe zu ihm, Stolz und der Wunsch nach unbegrenzter Freiheit gewannen die Oberhand. Sie wiesen die Angebote der göttlichen Liebe und Gnade zurück.
Gott ließ Satan sein Werk fortführen, bis sich der Geist der Unzufriedenheit zu offener Empörung auswuchs. Diese Pläne mußten sich voll entwickeln, damit alle deren wahre Natur und eigentlichen Zweck sähen. Als Cherub war Luzifer hoch erhoben worden. Die himmlischen Wesen liebten ihn, er hatte großen Einfluß auf sie. Gottes Herrschaft umfaßte nicht nur die Bewohner des Himmels, sondern die aller geschaffenen Welten. Luzifer folgerte, er werde sie alle beherrschen, wenn er die Engel im Himmel mit in seine Empörung hineinrisse. Schlau hatte er die ganze Angelegenheit in seiner Sicht dargestellt, indem er sein Ziel mit Betrug und Spitzfindigkeit zu erreichen suchte. Er verfügte über ein großes Täuschungsvermögen. Unter dem Deckmantel der Lüge nutzte er seine Überlegenheit aus. Alles, was er tat, war derart mit Geheimnis umgeben, daß es für die Engel schwer war, das eigentliche Wesen seines Wirkens zu durchschauen. Ehe es nicht voll ausgereift war, konnte Gott es nicht als das Böse, das es war, in Erscheinung treten lassen. Man würde Satans Unzufriedenheit gar nicht als Empörung verstehen. Sogar die treuen Engel konnten seinen Charakter nicht recht durchschauen und erkennen, wohin das alles führte.
Luzifer verhielt sich bei seinen Versuchungen anfänglich so, daß er in keiner Weise bloßgestellt wurde. Den Engeln, die er nicht ganz auf seine Seite ziehen konnte, warf er Gleichgültigkeit gegenüber den Belangen der himmlischen Wesen vor.

Genau das, was er selber tat, legte er den treuen Engeln zur Last. Seine Verfahrensweise bestand darin, Gottes Absichten mit heimtückischen Beweisgründen zu verwirren. Alles Einfache umgab er mit Geheimnis, und mit geschickter Verdrehung zog er die klarsten Darlegungen Jahwes in Zweifel. Und seine hohe Stellung, die mit der Herrschaft Gottes so eng verbunden war, verlieh seinen Schilderungen nur um so größeres Gewicht.
Gott konnte nur Mittel anwenden, die mit Wahrheit und Gerechtigkeit vereinbar waren. Was Gott nicht konnte, war jedoch Satan möglich: Schmeichelei und Täuschung zu gebrauchen. Er hatte versucht, Gottes Wort zu fälschen. Er hatte Gottes Art zu herrschen verfälscht, indem er behauptete, Gott sei ungerecht, wenn er den Engeln Gesetze auferlege, und suche nur Selbsterhöhung, wenn er von seinen Geschöpfen Unterwerfung und Gehorsam verlange. Deshalb war es notwendig, vor den Bewohnern des Himmels und aller Welten darauf hinzuweisen, daß Gottes Herrschaft gerecht und sein Gesetz vollkommen ist. Satan hatte sich den Anschein gegeben, als ob er das Wohl des Weltalls zu fördern suche. Darum sollten alle den wahren Charakter dieses Anmaßenden und sein tatsächliches Ziel verstehen lernen. Aber es dauerte seine Zeit, bis Satan sich durch böse Taten ganz offenbarte.
Die Zwietracht, die er verursacht hatte, legte Satan nun Gott zur Last. Alles Böse sei die Folge seiner Herrschaft. Von sich behauptete er, er habe nur Jahwes Gesetze vervollkommnen wollen. Deshalb ließ es Gott geschehen, daß er seine Ansprüche nachzuweisen suchte, um die Auswirkungen der von ihm vorgeschlagenen Änderungen des göttlichen Gesetzes zu zeigen. Sein eigenes Werk mußte ihn verdammen. Zwar hatte Satan von Anfang an behauptet, kein Empörer zu sein, aber das gesamte Weltall sollte den Betrüger ohne Maske sehen.
Selbst nach der Verstoßung aus dem Himmel vernichtete die unendliche Weisheit Satan nicht. Gott ist nur ein Dienst in Liebe angenehm, darum muß die Treue seiner Geschöpfe auf der Überzeugung von seiner Gerechtigkeit und Güte beruhen. Die Bewohner des Himmels und der Welten waren nicht darauf vorbereitet, das Wesen und die Folgen der Sünde zu begreifen. Sie hätten deshalb auch in der Vernichtung Satans keine göttliche Gerechtigkeit erkennen können. Wäre er auf der Stelle vertilgt worden, hätten einige Gott mehr aus Furcht als aus Liebe gedient.

Der Einfluß des Betrügers wäre nicht völlig ausgelöscht noch der aufrührerische Geist gänzlich ausgerottet worden. Zum Heil des ganzen Weltalls mußte er seine Gedanken in vollem Umfang entwickeln können, damit seine Anklagen gegen die Regierung Gottes von allen Geschöpfen in ihrem wahren Licht erkannt würde. Ferner sollten Gottes Gerechtigkeit und Gnade sowie die Unveränderlichkeit seines Gesetzes für immer über allen Zweifel erhaben bleiben.
Satans Aufruhr sollte also dem Weltall für alle Zeit eine Lehre sein, ein immerwährendes Zeugnis für die Wesensart der Sünde und deren schreckliche Folgen. Die satanische Herrschaft und ihre Auswirkungen auf Menschen und Engel würden dartun, was es bedeutete, Gottes Macht abzulehnen; sie würden bezeugen, daß das Wohlergehen aller Geschöpfe an Gottes Herrschaft gebunden ist. So sollte die Geschichte dieser verhängnisvollen Empörung dazu dienen, alle heiligen Wesen vor einer Fehleinschätzung im Hinblick auf die Tragweite der Übertretung und damit zugleich vor der Sünde und deren Strafe zu bewahren.
Nur der eine, der die Himmel regiert, sieht das Ende von Anfang an. Vor ihm sind die Geheimnisse der Vergangenheit und der Zukunft gleicherweise offenbar. Er sieht über Leid, Dunkelheit und Verderben, die durch die Sünde kamen, hinaus die Vollendung seiner eigenen Liebes- und Segensabsichten. Obgleich "Wolken und Dunkel" um ihn her sind, bleiben doch Gerechtigkeit und Gericht "seines Thrones Stütze".22 Das werden die Bewohner des Weltalls, Gute und Böse, eines Tages verstehen. ''Seine Werke sind vollkommen; denn alles, was er tut, das ist recht. Treu ist Gott und kein Böses an ihm, gerecht und wahrhaftig ist er."

1 1. Johannes 4, 16
2 Jesaja 57,15
3 Habakuk 3, 6
4 Jakobus 1, 17
5 Psalm 89, 14—19
6 Johannes 1, 1. 2
7 Jesaja 9, 5
8 Micha 5, 1
9 Sprüche 8, 22. 23. 29. 30
10 Kolosser 1, 16
11 Hebräer 1 , 3
12 Jeremia 17, 12
13 Hebräer 1 , 8
14 Psalm 96, 6
15 Psalm 89, 15
16 Jesaja 14, 12
17 Hesekiel 28, 1 2—1 5
18 Hesekiel 28, 17
19 Jesaja 14, 13. 14
20 Offenbarung 5, 11
21 Psa1m 145, 17
22 Psalm 97, 2
23 5. Mose 32, 4

 

Wieso heißt Jesus "Immanuel"? In welcher Beziehung steht Er zum Vater?

1. „Immanuel“ ist der Name von Jesus im Alten Testament. Im neuen Testament wird er Jesus genannt. Wieso kommt es zu so einem Wandel. Wieso heißt Jesus nur im Alten Testament „Immanuell“ und nicht im NT? Bei der dritten Frage hatte ich Schwierigkeiten. Es wird beschrieben, dass alles durch Jesus entstanden ist. Ich dachte nur Gott hat alles erschaffen und nicht Jesus?. Bei der vierten Frage, wie Johannes Jesus bezeichnet hatte ich ebenso meine Schwierigkeiten. Es heißt er „ist der wahrhaftige Gott und das Leben“. Welche Rolle spielt hier Gott? Ich dachte, dass Jesus als Sohn Gottes, nicht aber als Gott bezeichnet wird? Welche Beziehungen bestehen zwischen Gott und Jesus? Gibt es eine Rangordnung? Vielen herzlichen Dank! nach oben


Lieber ...,
Ich habe mich gefreut, wieder von Ihnen zu hören. Auch über Ihre persönliche Entscheidung habe ich mich gefreut. Ich bin sicher, die folgenden Lektionen werden Sie in Ihrer Entscheidung weiter festigen.

Nun zu den Fragen: Um zu verstehen, warum Jesus nicht nur „Jesus“ heißt, sondern auch „Immanuel“, liegt darin begründet, dass eine Namensbezeichnung in der Bibel den Sinn hat, eine Charaktereigenschaft des jeweiligen Menschen oder Gottes auszudrücken. Beispiele dafür liest man mehrfach. Gott änderte sogar im Verlauf des Lebens bestimmter Menschen deren Namen, um eine bestimmte Charaktereigenschaft dieser Menschen auszudrücken.
Abraham = „Vater vieler Völker“ – 1.Mose 17,5;
Sara – 1.Mose 17,15.16 ;
Israel – 1.Mose 32,29;
Gideon – Richter 6,32

Jesus trägt viele Namen und Titel. Jeder Name drückt eine bestimmte Eigenschaft dabei aus. Einige Seiner Namen und Bezeichnungen sind:
Adam würde sagen: Er ist der Same des Weibes, welcher der Schlange den Kopf zertreten soll.
Abraham würde sagen: Er ist "Melchisedek, der König von Salem". 1.Mose 14,18.
Jakob würde sagen: Er ist der Held aus dem Stamme Juda.
Jesaja wird euch sagen: "Immanuel!" Und: "Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst." Jesaja 7,14; 9,5.
Jeremia würde sagen: Der Sproß Davids, "der Herr unsere Gerechtigkeit". Jeremia 23,6.
Daniel würde sagen: Er ist der Messias.
Hosea würde sagen: Er "ist der Gott Zebaoth, Herr ist sein Name". Hosea 12,6.
Johannes der Täufer würde sagen: Er ist "Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt". Johannes 1,29.
Gott selbst hat vom Himmel herab verkündigt: "Dies ist mein lieber Sohn." Matthäus 3,17.
Seine Jünger bekennen: Dieser ist Jesus, der Messias, der Fürst des Lebens, der Erlöser der Welt!
Sogar der Fürst der Finsternis anerkennt ihn, indem er sagt: "Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes." Markus 1,24.
Weitere Namen und Titel Jesu sind:
A und O, Anfang und Ende (Offenbarung 1,8; 22,13)
letzte Adam (1.Korinther 15,45)
Amen (Offenbarung 3,14)
Auferstehung und Leben (Johannes 11,25)
aufgehendes Licht (Lukas 1,78)
Auserwählter (Jesaja 42,1)
Brot des Lebens (Johannes 6,35)
Christus Gottes (Lukas 9,20)
Ebenbild Gottes (2.Korinther 4,4)
Eckstein (Psalm 118,22; Matthäus 21,42)
Eingeborener (Johannes 1,18)
Engel des Bundes (Maleachi 3,1)
Erbe über alles ( Hebräer 1,2)
Erlöser (Hiob 19,25; Römer 11,26)
Erster und Letzter (Offenbarung 1,17)
Erstgeborener (Offenbarung 1,5)
Erzhirte (1.Petrus 5,4)
Ewiger König (1.Timotheus 1,17)
Fels (1.Korinther 10,4)
Friede-Fürst (Jesaja 9,5)
Fürsprecher (1.Johannes 2,1)
Fürst (Jesaja 55,4; Matthäus 2,6)
Fürst des Lebens (Apostelgeschichte 3,15)
Geliebter (Matthäus 12,18)
Gerechter (Apostelgeschichte 7,25)
Gesalbter (Daniel 9,25; Johannes 1,41)
Gott (Jesaja 40,3; Johannes 20,28)
Gott-Held (Jesaja 9,5)
Gott über alles (Römer 9,5)
Guter Hirte (Johannes 10,11)
Haupt über alles (Epheser 1,22)
Heiland (Lukas 2,11)
Heiliger (Apostelgeschichte 3,14)
Heiliger Gottes (Markus 1,24)
Heiliger Israels (Jesaja 41,14)
Heiliger Knecht (Apostelgeschichte 4,27)
Held (1.Mose 49,10)
Herr aller Herren (1.Timotheus 6,15)
Herr der Herrlichkeit (1,Korinther 2,8)
Herr über alle (Apostelgeschichte 10,36)
Herr über die Könige (0ffenbarung 1,5)
Herr unsere Gerechtigkeit (Jeremia 23,6)
Herrlichkeit des Herrn (Jesaja 40,5)
Hirte und Bischof der Seelen (1.Petrus 2,25)
Hoherpriester (Hebräer 4,14)
Ich bin (Johannes 8,58)
Immanuel (Jesaja 7,14)
Jesus (Matthäus 1,21)
Jesus von Nazareth (Markus 1,24)
Knecht (Matthäus 12,18)
König (Sacharia 9,9)
König aller Könige (1.Timotheus 6,15)
König der Juden (Matthäus 2,2)
König der Völker (Offenbarung 15,3)
Lamm (Offenbarung 13,8)
Lamm Gottes (Johannes 1,29)
Leben (Johannes 14,6)
Licht der Welt (Johannes 8,12)
Löwe aus dem Stamme Juda (Offenbarung 5,5)
Macht des Heils (Lukas 1,69)
Mächtiger Jakobs (Jesaja 60,16)
Meister (Jesaja 33,22; Matthäus 22,36)
Der Menschensohn (Matthäus 8,20)
Mittler (1.Timotheus 2,5)
Morgenstern (Offenbarung 22,16)
Nachkomme (1.Mose 3,15; Galater 3,16)
Nazoräer (Matthäus 2,23)
Passalamm (1.Korinther 5,7)
Prophet (Lukas 24,19)
Richter Israels (Micha 4,14)
Seliger und allein Gewaltiger (1.Timotheus 6,15)
Sohn (Matthäus 2,15)
Sohn Davids (Matthäus 1,1)
Sohn des Hochgelobten (Markus 14,61)
Sohn des Höchsten (Lukas 1,32)
Sonne der Gerechtigkeit (Maleachi 3,20)
Sproß (Jeremia 33,15)
Treuer Zeuge (Offenbarung 1,5)
Trost Israels (Lukas 2,25)
Tür (Johannes 10,7)
Urheber des ewigen Heils (Hebräer 5,9)
Vorläufer (Hebräer 6,20)
Der wahre Weinstock (Johannes 15,1)
wahres Licht (Johannes 1,9)
Wahrheit (Johannes 14,6)
Weg (Johannes 14,6)
Wort (Johannes 1,1)
Wort Gottes (Offenbarung 19,13)
Wunder-Rat (Jesaja 9,5)
Wurzel Davids (Offenbarung 22,16)
Zeuge (Jesaja 55,4)
Zweig (Jesaja 11,1)


„Immanuel“ drückt aus, dass Gott selbst im Menschengestalt auf die Erde gekommen ist, um den Menschen zu erlösen. „Gott mit uns“. Der Name „Jesus“ drückt aus, dass Er uns von unseren Sünden erlösen will.

Von Ewigkeit an war der Herr Jesus eins mit dem Vater. Er war "das Ebenbild Gottes", (2.Korinther 4,4) das Ebenbild seiner Größe und Majestät, "der Abglanz seiner Herrlichkeit". Hebräer 1,3. Er kam auf die Erde, um diese Herrlichkeit zu bezeugen, in diese sündendunkle Welt, um das Licht der Liebe Gottes zu offenbaren -- um "Gott mit uns" zu sein. Deshalb auch wurde von ihm geweissagt: "Sie werden seinen Namen Immanuel heißen." Matthäus 1,23.

Über die Tatsache, dass Jesus Gott und Schöpfer zusammen mit dem Vater ist haben wir ja im Fernkurs bereits hingewiesen (s.a. Johannes 20,28). Jesus ist zwar Sohn Gottes, aber gerade deswegen auch Gott wie der Vater. Es gibt Gott-Vater, Gott-Sohn und Gott-Heiliger Geist. Dieses himmlische Trio wird zwar immer in dieser Reihenfolge aufgezählt, von Rangordnung würde ich jedoch nicht sprechen, denn sie bilden eine Einheit. (Johannes 10,30)

Ich hoffe, dass diese Antwort Ihnen ein bisschen weiter hilft. Sollten sich Nachfragen ergeben, zögern Sie nicht diese auch zu stellen.

 

Wer ist Jesus und wer ist der Vater? nach oben

Jesus ist Gott im höchsten Sinne
Jesus bezeichnete sich als Er auf Erden war als „Menschensohn“. Damit drückt Er aus, dass Er wahrer Mensch wurde. Er war ein wirklicher Mensch, wie Du und ich. er hatte keine Kraftquelle zum Widerstehen gegen die Versuchungen Satans benutzt, die nicht auch uns zustehen. Er war Mensch im höchsten Sinne. Kein Scheinmensch, der die Schwächen der menschlichen Natur nicht kannte. Er war im „sündigen Fleisch“. (Römer 8,3)
Er wird in der Bibel aber auch als der „Gottessohn“ bezeichnet. Damit wird ausgedrückt, dass Er wahrer Gott war und ist. Er ist und war Gott im höchsten Sinne. Die Sohnschaft drückt nicht aus, dass Er weniger Gott ist als der Vater. Im Gegenteil. Er ist als Sohn Gott mit den selben göttlichen Attributen, wie der Vater auch. Er ist nicht „Gott“ vom Titel her, sondern von Seinem Wesen.
Im Bibelkurs haben wir das in dieser Lektion an mehreren Punkten gesehen:

Jesu Präexistenz: Jesus lebte von Ewigkeit her bei dem Vater
Jesus lebte nicht erst seit Seiner menschlichen Geburt in Bethlehem, sondern war schon zuvor in göttlicher Gestalt (Philipper 2,6) und Herrlichkeit bei Gott, dem Vater im Himmel (Johannes 17,5) als der eingeborene (=einzige) Sohn Gottes (Johannes 1,14), der schon vor der Erschaffung der Welt mit dem Vater in enger Liebesgemeinschaft stand (Johannes 17,24), ja schon von Anfang, von Ewigkeit her beim Vater lebte (Micha 5,1) und auch in Ewigkeit als derselbe Unwandelbare leben wird (Hebräer 13,8). Diese „Präexistenz“ zeigt, dass Jesus schon vor der Schöpfung existierte. Er ist also kein Teil der Schöpfung, sondern der Schöpfer selbst. Als Sohn Gottes ist Er aber nicht „passiver“ Schöpfer, so als ob Gott-Vater auch Luzifer mit dem gleichen Auftrag hätte betrauen können. Jesus ist Schöpfer von Seinem Wesen her. Er spricht und es wird, Er gebietet und es steht da. Die Bibel spricht von Ihm als dem einzig geborenen (Johannes 3,16). Wie immer man sich dies die menschliche Vorstellungskraft übersteigende Geschehen vorzustellen hat, es zeigt wieder, dass Er nicht geschaffen ist, sondern Gott im eigentlichen und höchsten Sinne ist. Wenn ein Vater menschliches Blut in seinen Adern hat, dann hat sein Sohn ebenso dieses Blut in seinen Adern. Profan gesagt, Gott-Vater und der Gottes –Sohn sind aus dem gleichen Holz geschnitzt. (Johannes 10,30) Damit unterscheidet sich Jesus von allen Geschöpfen. Genau diese Stellung des Gottessohnes machte das höchste der geschaffenen Wesen, Satan, Jesus streitig und behauptete, ihm (Luzifer) käme der gleiche Rang zu.
Jesus existiert seit Ewigkeit (Micha 5,1). Deswegen kann Er sagen, er sei der „ICH BIN“- ein Gottesname, der Ihn als den „Ewig-Seienden“ darstellt. Zu den Juden sagt Er: „Ehe Abraham ward, bin ich.“ (Johannes 8,58) Darauf wollten die Juden Ihn steinigen – dies sah das Gesetz im Fall von Gotteslästerung vor. Die Juden verstanden hier den göttlichen Anspruch, der mit diesem Titel „ICH BIN“ ausgedrückt wurde. Es zeigt uns, dass der Gott, der im Alten Testament als Gott oder HErr Zebaoth beschrieben wird, Gott der Sohn ist. Als Mose zum brennenden Dornbusch kam, sprach Gott zu ihm aus dem Dornbusch. „Mose aber antwortete Gott: Siehe, wenn ich zu den Söhnen Israel komme und ihnen sage: Der Gott eurer Väter hat mich zu euch gesandt, und sie mich fragen: Was ist sein Name?, was soll ich dann zu ihnen sagen? Da sprach Gott zu Mose: Ich bin, der Ich bin. Dann sprach er: So sollst du zu den Söhnen Israel sagen: <Der> »Ich bin« hat mich zu euch gesandt.“ 2Mo3,13.14 (Elberfelder Üs.)
Als Jesus diesen Gottesnamen vor den Juden für sich beanspruchte, wollten sie Ihn wegen Gotteslästerung steinigen. Denn sie verstanden nicht, dass es Jesus, der Gottessohn war, der ihr bekenntlicher Gott war. Der geistliche Fels, der im Alten Testament ein Bild für Gott ist (5.Mose 32,4), ist Christus (1.Korinther 10,4), Der Gott, der das Gottesvolk durch die Wüste aus der Knechtschaft führte, war Christus. (1.Korinther 10,1-4). Diese Erkenntnis besang auch Luther in den Versen: „Weißt du wer der ist?/ Er heißet Jesus Christ/ der Herr Gott Zebaoth/ und ist kein andrer Gott/...“ („Ein feste Burg ist unser Gott“)
Von Gott-Vater heißt es: „den niemand gesehen hat“ (1.Timotheus 6,16). Im Alten Testament begegnet Gott jedoch mehrfach dem Menschen. (Richter 13,22; „Und der HERR redete mit Mose von Angesicht zu Angesicht, wie ein Mann mit seinem Freund redet“ 2.Mose 33,11; 1.Mose 32,31; 2.Mose 24,10; Hiob 42,5; Jesaja 6,5) In allen Beispielen sehen sterbliche Menschen den lebendigen Gott. Da den Vater niemals jemand gesehen hat, war es Christus, Gott-Sohn, der mit den Menschen Umgang hatte.
Von Christus heißt es:“ Seine Stimme hat zu jener Zeit die Erde erschüttert,...“ (Hebräer 12,26; vgl. Psalm 68,8.9; 2.Mose 19,16ff.)
Daher wurde Jesus auch während Seines Erdenlebens zurecht angebetet: Matthäus 2,2.8.11; Matthäus 28,9.17; Matthäus 14,33; Lukas 24,52; Johannes 20,28; Hebräer 1,6; Phil 2,9-11. Diese Anbetung haben sogar Engel abgelehnt (Offenbarung 22.8.9; 19,10). Jesus ist höher als alle Engel, denn Er ist der Schöpfergott selbst, daher beten alle Engel Jesus an (Hebräer 1,6).
Gott-Vater kommen selbstverständlich auch alle göttlichen Attribute zu, allerdings war Er nie Mensch.
Gott-Vater ist eben Gott-Vater und Gott-Sohn ist eben Gott-Sohn. Sie sind zwei aber beide sind so einig, dass ihr Wirken eins ist. „Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10,30) Die Gleichstellung Jesu mit Seinem Vater in bezug auf Seine Göttlichkeit kommt auch in folgenden Versen zum Ausdruck: Johannes 5,23; Johannes 14,9; 12,45; 14,7; 12,44; 5,19.17.21.26.
2. Jesus Christus schuf die Welt
Der Sohn Gottes Jesus Christus lebte nicht nur von Ewigkeit her in göttlicher Gestalt und Herrlichkeit beim Vater, sondern Er war auch der große Weltschöpfer (Epheser 3,9; Hebräer 1,2), durch den der Vater alle Dinge erschaffen ließ (Kolosser 1,13-17). Christus war bei der Schöpfung als Werkmeister des Vaters (Sprüche 8,22-31) das mächtige „Wort Gottes“, das die Welt ins Dasein rief (Offenbarung 19,13), mit dem der Vater auch den Menschen schuf („lasset uns“ 1.Mose 1,26) und diesem das ewige Sittengesetz der Liebe ins Herz schrieb (Römer 2,14-16). Jesus Christus war es also, der die Welt in sechs Tagen schuf (Johannes 1,1-3.14) und zum Zeichen der vollendeten Schöpfung den siebenten Tag (1.Mose 2,2.3) als den ewigen „Sabbat des Herrn“ einsetzte (2.Mose 20, 8-11; 31,17), weshalb sich Jesus auf Erden mit Recht als der „Herr des Sabbats“ (Markus 2,28) bezeichnen und uns die rechte Sabbatheiligung lehren konnte (Matthäus 12,12)
Jesus ist „aktiver“ Schöpfer, der aber mit dem Vater in einem Sinn handelt.

 

War Jesus eine historische Persönlichkeit? nach oben

Jesus von Nazareth
Wohl keine andere Person hat die Menschen in der Vergangenheit so bewegt und aufgewühlt wie Jesus von Nazareth. Über keinen anderen gab es so viele unterschiedliche Meinungen wie über ihn. So stellt sich für viele Menschen die Frage: Wer war dieser Mensch? Existierte er wirklich? Und wenn ja, kann man dem biblischen Bericht über ihn trauen?
1 War Jesus eine historische Persönlichkeit?
Diese Frage läßt sich eindeutig bejahen. Nicht allein die Schriften des Neuen Testaments berichten von ihm, sondern auch andere zeitgenössische Autoren aus dem jüdisch-römischen Umfeld.
1.1 Das Zeugnis des Talmud
Jesus wird im jüdischen Talmud nicht immer direkt bei seinem Namen genannt, da einige dieser Stellen in einer Zeit geschrieben wurden, in der das Christentum schon große Bedeutung gewonnen hatte. Jedoch, und das ist wichtig, wird definitiv ein „Jesus/Jeschua“ von Nazareth erwähnt. Von diesem wird berichtet, er sei ein Kind des Ehebruchs gewesen, habe Dinge getan, die in den Augen der Rabbis Sünde darstellten, Zauberei getrieben - oder Wunder getan - und Israel verführt. Deswegen mußte er an einem Freitag, der gleichzeitig der Vorabend des Passahfestes war, eines gewaltsamen Todes sterben.
Im einzelnen wird Jesus vorgeworfen, über die Worte der Weisen gespottet zu haben. Weiter habe er sich zum Gott gemacht, die ganze Welt irregeführt und behauptet, am Ende der Zeiten wiederkommen zu wollen. Jedoch wird ihm trotz aller seiner „Untaten“ von einem so bekannten und berühmten Mann wie Rabbi Elieser ben Hyrkanus nicht das Anrecht an der zukünftigen Welt abgesprochen, an die auch die Juden glaubten. Sogar der Ausspruch Jesu aus Matthäus 5,17 („Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen; ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.“) wird berichtet.
Weiter ist die Rede davon, daß Jesus Jünger hatte, die sein Werk nach seinem Tod (und seiner Auferstehung) fortsetzten, seine Aussprüche anderen weitererzählten und in seinem Namen Heilungen vollbrachten.
1.2 Die griechischen und römischen Quellen
1.2.1 Flavius Josephus
Zweimal sprechen die „Altertümer“, das Buch, das Josephus verfaßte, über Jesus. Im ersten Absatz, der Jesus behandelt, heißt es:
„Um diese Zeit [die Zeit des Aufstandes gegen Pilatus, der mit Hilfe der Tempelgelder aus einer weit entfernten Quelle Wasser nach Jerusalem holen lassen wollte] lebte Jesus, ein weiser Mann, wenn man ihn überhaupt einen Menschen nennen darf. Er war nämlich der Vollbringer ganz unglaublicher Taten und der Lehrer aller jener Menschen, die mit Freuden bereit sind, die Wahrheit zu empfangen. So zog er viele Juden und auch viele Griechen an sich. Er war der Messias; und obgleich ihn Pilatus auf Betreiben der Vornehmsten unseres Volkes zum Kreuzestod verurteilte, wurden doch diejenigen, die ihn von Anfang an geliebt hatten, ihm nicht untreu. Denn er erschien am dritten Tag wieder, lebend, wie gottgesandte Propheten von ihm vorher verkündigt hatten. Und noch bis auf den heutigen Tag besteht der Stamm der Christen, wie sie sich nach ihm nannten, fort.
Es kann mit ziemlicher Sicherheit gesagt werden, daß der Pharisäer Josephus, der für römische Leser schrieb, sich hütete, über Jesus und die Christen etwas Günstiges oder allzu Ausführliches zu sagen, vielmehr sich mit einigen allgemeinen, oberflächlichen Worten begnügte, die er mit großer Vorsicht niederschrieb und die weder über die Christen noch über ihren Messias viel Positives enthielten (Klausner S. 72).
In der zweiten Stelle berichtet Josephus über die erfolgreichen Anstrengungen des Hohenpriesters Annas ben Annas, in der Zeit zwischen dem Tod des römischen Prokurators Festus und dessen Nachfolger Albinus (im Jahr 62 n.Chr.), einige der Christen zu töten. Unter diesen befand sich auch ein Mann namens Jakobus, „der Bruder des Jesus, der Messias genannt wurde.“ Er beschuldigte sie der Übertretung der Gesetze der Thora, ließ sie vor den Sanhedrin bringen und zur Steinigung verurteilen.
1.2.2 Tacitus
In den Annalen des Tacitus, die etwa in den Jahren 115 – 117 entstanden, wird Jesus ausdrücklich erwähnt. Er spricht im Zusammenhang mit dem Brand Roms zur Zeit Neros mit offenem Haß über die „Christiani“. Dort erklärt er ihren Namen:
„Christus, von dem sich ihr Name ableitet, wurde zur Zeit des Kaisers Tiberius durch den Prokurator Pontius Pilatus zum Tode verurteilt.“
1.2.3 Sueton
Sueton berichtet in seinem Buch „Die zwölf Cäsaren“ schon von einer christlichen Bewegung zur Regierungszeit des Claudius, der von 41 – 54 Kaiser war:
„Die Juden, die wegen Chrestus viel Lärm machten, vertrieb er [Claudius] aus Rom.“
Wenn wir, wie viele Gelehrte, „Chrestus“ mit „Christus“ identifizieren, so haben wir hier eine glaubwürdige Aussage darüber, daß 15 – 20 Jahre nach dem Tode Jesu viele Juden glaubten, selbst in dem fernen Rom, Jesus habe gelebt und sei der „Messias“ gewesen. Dieser Bericht stimmt völlig überein mit dem, was Apostelgeschichte 18,2 über Aquila von Pontus und seine Frau Priscilla berichtet, die zur Zeit der missionarischen Tätigkeit des Paulus „wegen des Befehls des Claudius, daß alle Juden Rom verlassen mußten,“ aus Italien kamen.
1.2.4 Plinius
Plinius berichtet in seiner Eigenschaft als Prokonsul der Provinz Bithynien im Jahr 111 n.Chr. Kaiser Trajan über das ihm (Plinius) fremde Wesen des Christentums. Daraus geht unter anderem hervor, daß es zu dieser Zeit schon christliche Gemeinden in Bithynien gab, die länger als 20 Jahre existierten, daß das Christentum inzwischen zu einer Massenbewegung im römischen Reich geworden war. Trotz seiner (des Plinius) Verfolgungen dieser Religion gäbe es immer noch so viele, daß er Trajan um Rat bittet, wie er sie behandeln sollte. Er schildert in seinem Brief ausführlich die „Vergehen“ dieser Menschen. In bezug auf Jesus wird nur ausgesagt, daß sie ihn in ihren Liedern als Gott verehrten:
„Sie behaupteten aber, ihre ganze Schuld – oder ihr ganzer Irrtum – habe darin bestanden, daß sie sich an einem bestimmten Tag vor Sonnenaufgang zu versammeln pflegten, Christus zu Ehren, wie einem Gotte, im Wechselgesang ein Lied anstimmten, und sich eidlich nicht etwa zu einem Verbrechen verpflichteten, sondern keinen Diebstahl, keinen Raub, keinen Ehebruch zu begehen, kein gegebenes Wort zu brechen, kein anvertrautes Gut, wenn es zurückgefordert wird, abzuleugnen.“
1.3 Zusammenfassung
Aus diesen heidnisch-römischen bzw. jüdischen Quellen wissen wir, daß in Judäa ein Jude namens Jesus gelebt hat, der kein Kind des Mannes seiner Mutter war. Er wurde als „Messias“ bezeichnet, tat Wunder, belehrte das Volk und befand sich im Widerspruch zu den damaligen geistlichen Autoritäten, deren Worte er „verachtete“. Auf Betreiben dieser geistlichen Führer der Juden hin wurde er schließlich auf Veranlassung des römischen Prokurators Pontius Pilatus gekreuzigt, soll jedoch – was in den jüdischen Quellen als Lüge hingestellt wird – nach einigen Tagen wieder auferstanden sein.
Seine Lehre starb nicht mit seinem Tod, sondern seine Jünger – unter ihnen Jakobus, sein leiblicher Bruder – trugen sie weiter. Dafür mußten viele von ihnen den Tod erdulden, wie z.B. Jakobus, der auf Veranlassung des Hohepriester Annas hingerichtet wurde. Aus den wenigen Jüngern wurde schließlich eine Massenbewegung, die sich über das gesamte römische Reich ausbreitete. Bereits 50 Jahre nach der Geburt Jesu (und damit 20 Jahre nach seinem Tod) gab es in Rom eine blühende Gemeinde, die missionarisch aktiv war.
Wegen dieser Tätigkeit wurden die Christen – und mit ihnen die Juden – unter Kaiser Claudius aus Rom vertrieben. Trotzdem jedoch müssen unter Nero eine beträchtliche Anzahl von ihnen in Rom tätig und allgemein bekannt gewesen sein, so daß es möglich war, ihnen den Brand der Stadt anzulasten. Weiter ist von den Christen bekannt, daß sie anschließend schwere Verfolgungen erdulden mußten.
Sogar ihre Gegner bescheinigen ihnen, daß sie ein moralisch einwandfreies Leben führten, daß sich an den – den Heiden weitgehend unbekannten – zehn Geboten aus 2. Mose 20 orientierte. Ihre Gottesdienste fanden deshalb auch wöchentlich an einem bestimmten Tag statt, an dem sie sich schon vor Sonnenuntergang versammelten. In ihren Liedern, die sie zu dieser Zeit im Wechselgesang bei ihren Gottesdiensten sangen, wurde Jesus als Gott verehrt.
2 Was machen wir mit Jesus?
Alle diese Aussagen bestätigen den biblischen Bericht über Jesus und seine Lehren, wenn auch – etwa in den jüdischen Berichten – manche Dinge ins Gegenteil verkehrt wurden. Die frühen Christen beanspruchen, als Augenzeugen über die Geschehnisse zu berichten:
2.1 Augenzeugenberichte
2.1.1 Johannes und Petrus
Als die Jünger Petrus und Johannes nach der Himmelfahrt Jesu dabei aufgegriffen wurden, wie sie von Jesus, dem Messias, predigten, konnten sie nur sagen:
„Denn es ist uns unmöglich, von dem, was wir gesehen und gehört haben, nicht zu reden.“
Beide betonen in ihren Briefen, als Augenzeugen alles gesehen und sogar betastet zu haben:
„Denn wir haben euch die Macht und Ankunft unseres Herrn Jesus Christus kundgetan, nicht indem wir ausgeklügelten Fabeln folgten, sondern weil wir Augenzeugen seiner herrlichen Größe gewesen sind.“
„Was von Anfang an war, was wir gehört, was wir mit unseren Augen gesehen, was wir angeschaut und unsere Hände betastet haben vom Wort des Lebens - und das Leben ist geoffenbart worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns geoffenbart worden ist -, was wir gesehen und gehört haben, verkündigen wir auch euch, damit auch ihr mit uns Gemeinschaft habt; und zwar ist unsere Gemeinschaft mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus.“
2.1.2 Lukas, der Arzt
Lukas gehörte nicht zu den ursprünglichen 12 Jüngern des Jesus, sondern wurde von einem von ihnen, wahrscheinlich Petrus oder Paulus, zum christlichen Glauben geführt. Auch er gibt einen Bericht, nachdem er sich zuvor persönlich über die Zuverlässigkeit der Augenzeugen versichert hat:
„Da es nun schon viele unternommen haben, einen Bericht von den Ereignissen zu verfassen, die sich unter uns zugetragen haben, wie sie uns die überliefert haben, die von Anfang an Augenzeugen und Diener des Wortes gewesen sind, hat es auch mir gut geschienen, der ich allem von Anfang an genau gefolgt bin, es dir, hochedler Theophilus, der Reihe nach zu schreiben damit du die Zuverlässigkeit der Dinge erkennst, in denen du unterrichtet worden bist.“
2.2 Jesus – Ärgernis und Anstoß: Was war dieser Mensch?
Im Gegensatz zu anderen Religionen ist das Christentum eine persönliche Religion, in der die Person Jesu im Mittelpunkt steht. Paulus schreibt dazu: „Ich weiß, an wen ich glaube.“ Er meinte damit nicht: ‚Ich glaube, daß Jesus einmal lebte,‘ sondern er glaubte dem Anspruch, den Jesus erhoben hatte: Gott zu sein, der Mensch wurde, um die Menschen zu erlösen.
Josephus etwa beschreibt Jesus als „weisen Menschen“. Andere glauben, er sei ein ganz normaler Mensch, ein berühmter Lehrer, ein Religionsstifter, ein Philosoph, einer der großen Meister, eine Inkarnation der Götter, der Sohn Gottes oder ein Lügner bzw. Geisteskranker gewesen. Es können nicht alle dieser Aussagen zutref-fen. Zum weiteren Verständnis soll ein kleines Schaubild helfen.
Jesu Anspruch, der Erlöser der Menschheit zu sein, der für die Menschen starb und wieder auferstand, ist entweder wahr oder falsch. Wenn er falsch ist, so hat Jesus, der unter dieser Prämisse nur ein Verführer, Lügner oder Geisteskranker sein kann, für uns keinerlei Bedeutung. Wenn sein Anspruch jedoch zutrifft, komme ich nicht umhin, mich für oder gegen ihn zu entscheiden – mit allen Konsequenzen, die dies hat. Das bedeutet jedoch auch, daß es, wenn ich Jesu Anspruch ernstnehme, unmöglich ist, ihn nur als weisen Mann anzusehen – als Verführer oder Lügner könnte er es nicht sein und als Gott wäre er weit mehr. Mit anderen Worten: ich umgehe damit eine vielleicht unbequeme Entscheidung.
Persönlich sagen mir die außerbiblischen Zeugnisse über Jesus, daß ich dem biblischen Bericht vertrauen kann. Wenn Jesus, wie das auch jüdische Quellen belegen, einmal wiederkommt (nicht als Inkarnation eines kleinen Kindes, als Buddha oder Astralgestalt) wird er auch ihnen die Frage stellen: Hast Du eine Entscheidung für mich (nicht ein unbestimmtes, diffuses Christentum) getroffen?
Weitere Information
Mit dieser kleinen Zusammenfassung sind sicher nicht alle ihre Fragen über Jesus geklärt worden. Wenn Sie speziell über das Thema der Echtheit oder Verläßlichkeit der Bibel weitere Fragen haben, können wir Ihnen das Buch Bibel im Test: Tatsachen und Argumente für die Wahrheit der Bibel von Josh McDowell zum Selbststudium empfehlen (Neuhausen-Stuttgart: Hänssler 1988).
Natürlich sind wir auch gerne bereit, weitere Fragen persönlich zu beantworten oder Ihnen ein kleines Buch kostenlos und unverbindlich zukommen zu lassen, das Jesu Bedeutung für uns klar darlegt: E.G.White. Der Weg zu Christus.

 

Was bedeutet: Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut? nach oben


Lieber Herr ...,

... zu Ihrer Frage. Was bedeutet: Und sie haben ihn überwunden durch des Lammes Blut?
Hier ist von denen die Rede, die von Satan verfolgt oder angefochten wurden. Satan zu überwinden heißt, Sünde zu überwinden. Diese Macht Satan und Sünde zu überwinden, liegt nicht in uns selbst. Diese Macht liegt in der Gnade, die uns Jesus gewähren kann. Sie wird uns durch Sein Blut zuteil. Was heißt das? Wenn ich wirklich glaube, daß Jesus wegen meiner Sünden an das Kreuz gehen mußte, wenn ich wirklich glaube, daß Er für mich persönlich dort Sein Blut vergoß, dann bewahrt mich dieser Glaube davor, weiter in die Sünde einzuwilligen. Der Glaube überwindet die Sünde. Johannes schreibt: „Denn alles, was von Gott geboren ist, überwindet die Welt; und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat. Wer ist es aber, der die Welt überwindet, wenn nicht der, der glaubt, daß Jesus Gottes Sohn ist?“ 1Joh5,4.5

Wenn Sie nun häufig zurückfallen, ist das ein Zeichen dafür, daß Ihr Glaube erstarken muß. Aber wie kann er denn stark sein, wenn Sie noch ganz am Anfang stehen. „So kommt der Glaube aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Christi.“ Röm10,17 Der Glaube muß wachsen und er wächst in dem Maaße, in dem man sich mit dem wort Gottes beschäftigt. Machen Sie regelmäßig weiter Ihre Bibellektionen. Es wird Ihnen helfen Glauben und Verständnis zu gewinnen. Aber Folgendes ist elementar für Ihr geistliches Wachstum:

1. Lesen Sie täglich in der Bibel.
2. Beten Sie täglich.
3. Leben Sie aus, was sie beim Bibelstudium erkannt haben.

Zum täglichen Bibelstudium empfehle ich Ihnen ein Buch: Bibellesungen für den Familienkreis. Hier sind hunderte von biblischen Themen behandelt. Auf jede Frage folgt ein Bibeltext, der gelesen oder besser nachgeschlagen werden kann. Wenn Sie Interesse haben, sagen sie mir bescheid.

Wenn Sie in dem oben gesagten Beständigkeit offenbaren, werden Sie beständige Fortschritte machen. Heiligung ist nicht das Werk eines Augenblicks, einer Stunde oder eines Tages, sondern der ganzen Lebenszeit. Sie geschieht auch nicht durch beglückende Gefühle, sondern ist die Folge eines steten Absterbens der Sünde gegenüber und eines beständigen Lebens für Christus. Schwache, gelegentliche Bemühungen bringen kein Unrecht in Ordnung und bewirken keine Umwandlung des Charakters. Es kostet beharrliche Anstrengungen, Zucht und harten Kampf wenn wir überwinden wollen. Keiner weiß heute, wie schwer der Kampf morgen sein wird. Solange Satan regiert, müssen wir unser Ich verleugnen und Sünden, die uns bedrängen, überwinden. Solange unser Leben währt, werden wir keinen Ort, keinen Punkt erreichen, an dem wir innehalten und sagen könnten: Ich habe das Endziel erreicht! Nein, Heiligung ist die Frucht lebenslangen Gehorsams.

„Wer überwindet, dem will ich geben, mit mir auf meinem Thron zu sitzen, wie auch ich überwunden habe und mich gesetzt habe mit meinem Vater auf seinen Thron.“ Offenbarung 3,21